Premiere des neugegründeten Brixen Classics Festival mit Staraufgebot in perfekter Kulisse

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Premiere des neugegründeten Brixen Classics Festival mit Staraufgebot in perfekter Kulisse

Das Städtchen Brixen ist vielleicht bisher nicht allen Klassikfans bekannt, dies sollte sich aber nach dem gelungenen Start mit einem harmonisch zusammengesetzten Galaabend auf künstlerisch höchstem Niveau in Zukunft ändern. Malerisch ist der mittelalterliche Stadtkern mit seinen schmalen Gassen und Laubengängen. Stolz und mächtig ragt der Dom in seinem Zentrum in die Höhe, ein kunsthistorisches Juwel mit seinen Fresken und Kreuzgang. Gegenüber ließen sich die einflussreichen Fürsterzbischöfe bereits im 13. Jahrhundert eine Residenz erbauen, auch Hofburg genannt, die es mit den Palästen der weltlichen Fürsten aufnehmen kann. Der prachtvolle Innenhof der fürstbischöflichen Residenz dient nun als Kulisse mit beachtlicher Akustik für die Premiere der Brixen Classics, dem neuausgerufenen Klassikfestival. Geschmückte Arkadengängen verbinden in den einzelnen Stockwerken die Trakte. In diesen werden kulinarische Spezialitäten und Wein für besondere Gäste angeboten. „Musik, Wein und Kulinarik“ sind auch das Motto dieser neu ins Leben gerufenen Festspiele, passend zur Wirtschaft und Landschaft Südtirols.

Viele Helfer sind bemüht die angereiste Prominenz und erwartungsvollen Gäste in eleganten Roben zu den Plätzen zu bringen. Der Wettergott zeigt sich ebenfalls gnädig mit wolkenlosem Himmel und leichten Brisen, die durch den Innenhof streichen. Eine Woche dauert dieses neue Festival und bietet zahlreiche internationale Künstler der Spitzenklasse. Gleich zu Beginn eröffnen Camilla Nylund und Juan Diego Florez gemeinsam mit James Rutherford und Anna Lucia Nardi.

Muntere Blechbläserfanfaren aus den Arkaden rufen die Besucher zu Aufmerksamkeit. Bayreuth läßt grüßen. Das eigens neugegründete Festspielorchester nimmt Platz auf dem Podium. Junge Musiker aus der ganzen Welt wurden zur Teilnahme eingeladen und eine Woche von erfahrenen Orchestermusikern als Dozenten vorbereitet. Klanglabor wird das Projekt vom künstlerischen Leiter Daniel Geiss genannt. Er ist bereits als Dirigent mit vielen Orchestern aufgetreten. Derzeit ist das Belgrade Chamber Orchester seine künstlerische Heimat. Mit Wolfgang Amadeus Mozarts Ouvertüre zu Le Nozze di Figaro wird das erste Konzert der ersten Ausgabe des Festes schwungvoll eröffnet. Als Moderator für den Abend agieren der in der Klassikszene aktiv tummelnde Axel Brüggemann mit der charmanten Südtirolerin Anna Zangerle. Kurzweilig leiten sie zwischen den Stücken über und interviewen alle Beteiligten zum Thema des Premierenabends „Liebe“. 

Dem entsprechend kommen Ausschnitte aus Mozarts Don Giovanni, Gaetano Donizettis Elisir d’Amore, Giuseppe Verdis Don Carlo und Rigoletto sowie Puccinis La Boheme und Gianni Schicchi zu Gehör. Juan Diego Florez brilliert in seinem Belcanto mit seinem klaren, weich timbrierten Tenor der in der Höhe keine Grenzen kennt und immer leicht und luftig wirkt. Camilla Nylund ist zur Zeit als lyrische wie auch dramatische Sopranistin gefragt. Diese Vielseitigkeit demonstriert sie in diesem Galaprogramm. Ob als Donna Anna, le Wally oder Gilda immer findet sie den emotionalen Einstieg, legt nuancenreich die Melodieführung an, zieht grosse Legati mit Leichtigkeit ohne Druck auf die Stimme zu legen. Der Engländer James Rutherford ergänzt die zumeist als Liebespaare angelegten Rollen als liebender Vater mit seinem warmen rein schimmernden Bassbariton , Anna Lucia Nardi eine Südtiroler Mezzosopranistin mutiert zur verletzten Gegenspielerin als Eboli. Giftigkeit bringt sie gekonnt zum Ausdruck, die spitzen Höhen schafft sie gepresst und konzentriert. Orchester und Dirigent begeistern mit einer dramatischen farbenreichen Ouvertüre zu Gioachino Rossinis Wilhelm Tell, ein Hit der Musikliteratur, der auch hier voll zur Wirkung kommt.

Ein mit Begeisterung erklatschter Höhepunkt des Abends sind Juan Diego Florez sehr persönliche Zugaben. Er begleitet sich selbst mit seiner Gitarre zu den spanischen quasi Volksliedern Besame mucho et Cucurucucu paloma. Nur noch seine zuletzt dargebotene Arie Nessun dorma aus Puccinis Turandot kann dies toppen. Camilla Nylund hält dem eine innig berührende Interpretation von „Visi d’arte“ aus Puccinis Tosca entgegen. Das Publikum Ist voll ergriffen und hingerissen. An diesem Abend hat alles gepasst und wir wünschen dem engagierten Organisationteam alles Gute und viel Erfolg.

Mehr dazu unter www.brixenclassics.com

Dr. Helmut Pitsch

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