Salzburger Festspiele 2018
Von 20. Juli 2018 bis 30. August 2018

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Anna Netrebko? Keine Angst, sie wird auch heuer dabeisein, wie jedes Jahr, allerdings diesmal mit einer Gala am Ende der Festspiele, denn sie wollte eigetlich diesen Sommer für ihr Debut in Bayreuth verbringen.

Placido Domingo? Auch er kommt wie jeden Sommer nach Salzburg; diesmal, um in zwei konzertanten Aufführungen der Oper “Die Perlenfischer“ die Rolle des Zurga zu singen. Die Festspiele haben wieder vieles geplant, und das Publikum kann die beiden Stars in kurzem Abstand hintereinander erleben, auch wenn ihre Anwesenheit diesmal bedeutend geringer ist als in den vorangegangegen Jahren. Jonas Kaufmann, der nicht sehr oft in Salzburg auftritt, wird nur für einen Liederabend dabei sein, während Cecilia Bartoli die Italienerin in Algier singen wird, in einer Produktion, die für die Pfingstfestspiele konzipiert wurde, deren Direktorin sie ja ist.

Aber Salzburg hat noch andere Stars zu bieten. Sie werden Ihnen vielleicht nicht so geläufig sein, wenn sie nicht im letzten Sommer in Salzburg mit dabei waren. Ein einziger Auftritt genügte für Asmik Grigorian und Evgenia Muraveva, um sich einen Namen zu machen. Grigorian sang die Rolle der Marie im Wozzek; sie wird 2018 die Salome in Angriff nehmen, in einer Neuinszenierung von Romeo Castellucci und unter der musikalischen Leitung von Franz Welser-Möst. Allein die Art und Weise, wie Castellucci die aussergewöhnliche und etwas beengte Bühne der Felsenreitschule neu gestaltet, wird den Umweg nach Salzburg lohnenswert machen.

Evgenia Muraveva hatte letztes Jahr nur eine kleine Rolle in Lady Macbeth von Mzensk, aber Nina Stemme fiel nach den ersten zwei Vorstellungen aus. Muraveva übernahm die Titelrolle in den letzten drei Vorstellungen, und erntete spontane und einhellige Begeisterung. So erscheint es ganz natürlich, dass sie heuer unter Mariss Jansons die Lisa in der Pique-Dame singen wird. Diese Inszenierung von Hans Neuenfels war eigentlich für 2019 mit Anna Netrebko vorgesehen, aber der verheerende Misserfolg der neuen Produktion der Aida von Shirin Neshat war der Grund dafür, dass man Pique-Dame schon in den diesjährigen Spielplan einbaute. Muraveva profitierte von dieser Änderung des Salzburger Sommerprogramms. Auch wenn das Publikum dadurch einen Star verliert, wird es durch ein bereicherndes musikalisches Erlebnis entschädigt werden.

Im Hinblick auf sein hundertjähriges Bestehen im Jahre 2020, werden die Festspiele im kommenden Sommer auf die eigene Geschichte zurückgreifen und zwei Werke, die daselbst geschaffen wurden, in das Programm aufnehmen. Die Salzburger Festspiele waren nicht immer eine Bastion der Avant-Garde, aber das ist kein Grund, dass man nicht auf das dort Geschaffene stolz sein kann. Oft vergisst man Gottfried von Einem (1918-1996), seines Zeichens ein bedeutender Komponist, der übrigens einer der Hauptverantwortlichen für die intellektuelle und moralische Neugründung des Festivals nach der dunklen Epoche des Nazismus war. Seine Adaptierung von Kafkas Der Prozess, die 1953 in Salzburg entstand, wird in konzertanter Fassung unter dem Baton von HK Gruber gespielt werden. Man erwartet diese Afführung voll Spannung und Neugier. Noch ein wichtiges Werk steht diesen Sommer auf dem Spielplan, Die Bassariden von Hans Werner Henze, eines jener Meisterwerke, die bislang eher ignoriert wurden, obwohl alle, die die Chance hatten, es zu erleben, davon begeistert waren. 1966 in Salzburg entstanden, ist das Libretto eines der hervorragendsten des 20. Jahrhunderts (wir verdanken es den Dichtern Chester Kallman und W.H. Auden). Die musikalische Ausdruckskraft dieses Werkes ist unmittelbar und tiefgehend. Es ist eine verblüffende Vorwegnahme des Mai 68, wo die alte Ordnung und hedonistischer Individualismus aufeinender prallen, beide repräsentieren Formen von Tyrannei. Kent Nagano wird dirigieren und Krzysztof Warlikowski wurde mit der Inszenierung betraut. Dieser war von Gerard Mortier in die Welt der Oper eingeführt worden und es war nur eine Frage der Zeit, wann er dessen Spuren folgen werde, um in Salzburg sein Debut zu geben.

Wie man sieht, wird die Antike in der Oper immer wieder neu entdeckt; in Salzburg setzt man heuer auf Die Krönung der Poppea, Monteverdis Zeugnis, dass die Antike immer modern bleibt. Neben der weisen und besonnenen Leitung durch William Christie, ist es es vor allem die Besetzung, die aufhören lässt. Sonya Yoncheva wird eine ihrer grossen Rollen, die Poppea, singen und Stéphanie d’Oustrac, die immer durch ihren beispielhaften Stil und ihre tiefgründige Musikalität überzeugt, wird die Oktavia verkörpern. Diese Aufführung wird vor allem bei Liebhabern einer starken theatralen Ästhetik Anklang finden. Festspieldirektor Markus Hinterhäuser setzt heuer auf Jan Lauwers, einen Neuling in der Opernwelt, aber mit viel Erfahrung im Bereich der Plastik, Chroeografie, Bühne und Aufführungstechnik. Ist nicht ein Ziel der Festspiele auch das Abweichen von den alten Strickmustern und eine Bereitschaft Risiken einzugehen?

Mozart scheint heuer ein wenig im Rückzug im Salzbuger Programm: La Clemenza di Tito unter der Leitung von Teodor Currentzis und Peter Sellars war die Sensation des Festivals von 2017 mit stehenden Ovationen nach jeder Aufführung und einem stets ausverkauften Haus. Diesmal ist Die Zauberflöte auf dem Programm in einer Inszenierung von Lydia Steier, deren Karriere bisher auf zweitrangige Bühnen im deutschen Sprachraum beschränkt war. Die Wiener Philharmoniker werden zum ersten Mal vonConstantinos Carydis dirigiert werden. Dieser wird von Markus Hinterhäuser als “ein sehr interessanter Dirigent, der die Sache ebenso originell angeht wir Teodor Currentzis “beschrieben: die Kritiken über seine jüngste Arbeit in Figaros Hochzeit in Münchensind gemischt, und lassen eher Zweifel aufkommen, ebenso die Besetzung, die mit Ausnahme von Matthias Goerne als Sarastro, sehr konventionell erscheint. All diese Fragestellungen über die Eröffnungproduktion der diesjährigen Sommerfestspiele sollen keinesfalls das reiche Programmangebot von Markus Hinterhäuser überschatten. Die meisten Opernfreunde übersehen das vielfältige  Angebot an Konzerten, aber auch dieser Bereich ist gut abgedeckt und bietet für jeden etwas. Rolando Villazon wird ein Konzert nur spanischen und südamerikanischen Melodien widmen. Riccardo Muti und die Wiener Philharmoniker werden die Grosse Messe in Es-Dur D950 von Schubert mit Krassimira Stoyanova aufführen. Marianne Crebassa wird dem Publikum die Folk Songs von Berio unter dem Dirigenten Esa Pekka Salonen anbieten. Philippe Jaroussky wird an der Seite der wunderbaren Emöke Bárath Haendel zum Besten geben. Zum Abschluss noch einen Tipp, der gänzlich von der Norm abweicht: der Komponist Aribert Reimann hat einige Melodien von Schubert und Mendelssohn in bewundernswerter Weise für Sopran und Streichquartett arrangiert, wo die Stimme durch das Quartett erst richtig zur Geltung gebracht wird. Christiane Karg wird am 9. August in ihrem Konzert gemeinsam mit dem Modigliani Quartett gerade diese Versionen zum Besten geben.

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