Ljubljana: Wagners „Tristan und Isolde“ mit bildstarker Ästhetikvon Robert Wilson

Xl_tristan_foto_lucie_jansch-laibach-2-26-2 © Lucie Jansch

Ganz langsam schreiten die Protagonisten auf der leeren Bühne. Sie drehen sich um die eigene Achse. Meist aber stehen sie wie Kunstfiguren ohne Mimik mit stilisierter Gestik regungslos da. Eine Interaktion zwischen ihnen findet kaum statt. Sie sind in suggestives, präzises Licht getaucht oder als Schatten zu sehen, eingebettet von sehr ästhetischen Bildern im Hintergrund, teils geometrischen Vierecken, einem Pflanzenvorhang oder zum Finale einer brennenden Kerzenwand. Es sind die üblichen Stilmittel von Robert Wilson, ein streng choreografiertes Bildertheater, ein Gesamtkunstwerk, das aus minimalistischen Manövern seine große Kraft zieht. Sie stammen aus „Tristan und Isolde“ von Richard Wagner, der jetzt am Ljubljana/Laibacher Opernhaus zu sehen ist, wofür er für alle szenischen Bereiche verantwortlich zeichnet. Die hier als „Highlight der Saison“ bezeichnete Oper ist eine Koproduktion mit der Oper La Monnaie in Brüssel, dem Teatro Real in Madrid und der Wroclaw Opera. Wenn man sich auf die fantasievollen Stilmittel des im letzten Juli verstorbenen, amerikanischen Theatermagiers einlässt, dann kann man fasziniert sein.

Gesungen wird überwiegend exzellent und meist sehr wortdeutlich mit Magdalena Anna Hofmann einer kraftvollen und höhensicherer Isolde an der Spitze, die vor allem bei ihrem „Liebestod“ mit großer Innigkeit berührt. Die mörderische Partie des Tristan bewältigt Jonathan Stoughton mit durchschlagskräftigem, hellem Tenor und allen erforderlichen Höhen. Immer wieder mit angeschliffenen Tönen und völlig textunverständlich hört man hingegen Dubravka Šeparović Mušović als Brangäne. Besonders hervorzuheben ist noch Peter Martinčič als sehr bühnenpräsenterKönig Marke mit wunderbar weichem und warmem Bass. Grga Peros ist ein ebenfalls sehr präsenter und stimmlich voluminöser Kurwenal. Solide singen Ivan Andres Arnšek (Melot) und Matej Vouk (Hirte).

Im Orchester der Ljubljana/Laibacher Opera unter Jacek Kaspszyk kann man farben-, stimmungs- und nuancenreiche Klänge mit herrlichen Lyrismen aber auch gewaltigen aufrauschenden Steigerungen hören, die nur manchmal etwas unpräzise und zu laut geraten, wodurch die Protagonisten von den Klangwogen zugedeckt werden. Jubel!

Dr. Helmut Christian Mayer

 

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