Salzburg: Händels „Giulio Cesare“ als bunte grelle, groteske Revue in Las Vegas

Xl_cesare-_lth-salzburg-2-26-1 © Tobias Witzgall

"Caesar’s Palace" prangt in großen Lettern auf dem Gebäude mit einer goldenen Statue des Namensgebers. Und es erinnert auch optisch an das gleichnamige Casino-Hotel in Las Vegas. Von Alexandrien genau dorthin in die amerikanische Spielmetropole haben Chiara Osella und Carlo Massari "Giulio Cesare" von Georg Friedrich Händel am Salzburger Landestheater verlegt und es entsprechend ausgestattet. Und das italienische Regieduo, das auch für die spritzige Choreographie verantwortlich zeichnet, zeigt die Lovestory zwischen Caesar, hier ein dunkler Gangsterboss und Kleopatra, einem ehrgeizigen machthungrigen Showstar und den politischen Machtspielen, selbstbewussten Frauen und intriganten Männern zeitlos als bunte, grelle, aberwitzige Revue mit viel überzogenem Humor zwischen Showgirls, Mafiosi, Spielern auf dem berühmten Strip. Zu sehen im farbenprallen Bühnenbild von Eleonora De Leo mit goldener Cäsar-Statue, allerlei Hieroglyphen auf den Schiebewänden und dem funkelndem Showtheater-Look der Kostüme von Emilia Zagnoli.Es wird ordentlich gesoffen und gespielt. Trotz des zu überdrehten Klamauk mit Projektionen vergisst man dabei aber nicht auf die Feinzeichnung der Charaktere und betreibt exquisite Personenführung.

Einst lagen ihr alle mächtigen Männer zu Füßen. Egal, ob sie Marc Anton oder Julius Cäsar hießen: Kleopatra, der ob ihrer Schönheit gepriesenen, legendären ägyptischen Königin. Jetzt liegt ihr das Salzburger Publikum zu Füßen:  Nicole Lubinger, die die Rolle der ptolomäischen Herrscherin verkörpert. Nicht nur, weil sie fabelhaft aussieht, sondern weil sie auch so singt: Mit präziser Geläufigkeit und quirliger Intensität spult sie alle Koloraturen makellos herunter und zaubert auch viele innige Töne von berührender Sanftheit hervor. Aber auch sonst kann Händels wohl beliebtestes Dramma per musica aus 1724 ein homogenes Sängerensemble mit viel Komik gewürzten Arien aufweisen: Rafal Tomkiewicz singt den Titelhelden, ein Elvis-ähnlicher Halbweltkaiser, mit ausdruckstarker, wendiger Stimme und makelloser Technik - bei der Uraufführung sang ihn übrigens der Kastrat Senesino, der Popstar der damaligen Zeit. Katie Coventry ist ein virtuos beweglicher Sesto. Valeria Giradello fehlt es an Durchschlagskraft. Dafür spielt sie den Tolomeo herrlich als rotzfrechen, dekadenten, verweichlichten Frauenhelden. Melissa Zgouridi übertreibt auch sängerisch die Leidensfähigkeit der Cornelia, ist aber mit einem schönen Mezzo ausgestattet. Profund erklingt Yevhgeniy Kapitula als Achilla, solide Daniele Macciantelli als Curio und der Chor. Nireno ist gleich auf drei schräge Ladies als Hofstaat Cleopatras aufgeteilt:Vania Hristova, Beth Jones und Kayo Nakai.

Mit Strichen hat man nicht gespart sondern die Oper inklusive Pause auf drei Stunden reduziert, was den heutigen Usancen entspricht, denn sonst würde das Werk Wagnersche Längen erreichen. Carlo Benedetto Cimento formt am Pult des Mozarteumorchesters Salzburg aber es ist erstaunlich, wie nahe man sich stilistisch an diese Musik, die man sonst eigentlich kaum spielt, angenähert hat. Da wird unter dem agilen Maestro im hochgefahrenen Graben springlebendig mit enormem Drive, idealer Terrassendynamik, dann wieder melancholisch verschleiert in weiter Klangkoloristik agiert und eine hohe Gefühlsintensität erzeugt. Hervorzuheben sind die vorzüglichen Solisten, etwa der Solohornist und die exzellente Continuo – Gruppe.

Viel Applaus!

Helmut Christan Mayer

 

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