Kolumnen zu folgendem Markus Butter

Jacques Offenbachs „Die Großherzogin von Gerolstein“ in Graz: ...

Helmut Christian Mayer

Wie viele andere Werke von Jacques Offenbach teilt auch "Die Großherzogin von Gerolstein" unverdienterweise das Schicksal, in Vergessenheit geraten zu sein. Das liegt natürlich nicht an der zündenden Musik, denn diese hält sich in der Höhe der besten Schöpfungen des Komponisten, sondern am Libretto. Denn die zeitsatirischen Anspielungen auf die Politik und den Krieg diesseits und jenseits des Rheins im 19. Jahrhunderts zur Zeit des 2....


Graz: Szenische Überflutung von Benjamin Brittens „War Requiem...

Helmut Christian Mayer

Von Anfang an steht der blumenübersäte Sarg im Foyer. Er wird dann über den Zuschauerraum hineingetragen und auf der Bühne zentral aufgestellt: Es ist ein skurriles Begräbnis, das da stattfindet. Chor und eine Unmenge von Statisten als aufgeputzte, ordenbehangene Offiziere, Damen in Abendkleidern, Herren in Smokings, Burschenschaftler und viele mehr ziehen endlos zeitraubend in grotesken Kostümen (Annette Braun) in den Zuschauerraum. In diesen ragt eine eigens...


Georg Friedrich Haas „Morgen und Abend“ am Grazer Opernhaus: H...

Helmut Christian Mayer

„Warum ist es so still in der Kammer, so unerträglich still? Ist etwas passiert?“ Nach einem gewaltigen Paukengewitter im Orchester sind dies die ersten Worte des einfachen Fischers Olai, der zwischen Vorfreude und Bangen auf die Geburt seines Sohnes wartet. Es ist der Beginn der zweigeteilten Geschichte von Vater und Sohn, beide Fischer, an der kalten Küste Norwegens über Leben und Tod, die zwischen Realität und Traum, Sehnsucht und Illusion changiert:...


In Graz blitzten bei Puccinis „Tosca“ tatsächlich die Sterne

Helmut Christian Mayer

„E lucevan le stelle“: Die Sterne in Giacomo Puccinis „Tosca“ blitzten tatsächlich nicht nur stimmlich sondern auch als Projektionen auf die Decke des Zuschauerraums, als Cavaradossi auf seine Hinrichtung wartend unter Tränen von der Welt und seiner Geliebten hinreißend Abschied nahm. Aber nicht nur bei der gleichnamigen Arie, an der kein Tenor vorbeikommt und die wegen des tosenden Applauses wiederholt wurde, begeisterte Jonas Kaufmann als...


Graz: Stürmische und feinfühlige Zauberwelten bei Sibelius kau...

Helmut Christian Mayer

Sofort heult der Sturm im Orchester los, wild und unbarmherzig, Wellen brausen, Schweinwerfer streifen über das Publikum, ein Segel schwankt im Zuschauerraum: So packend beginnt Jean Sibelius „Der Sturm“ am Grazer Opernhaus. Es ist die letzte Bühnenmusik, die der finnische Komponist neben vielen anderen geschrieben hat. Oper hat er ja nur eine geschrieben: „Die Jungfrau im Turme“ (1896). „Der Sturm“ basiert auf William Shakespeares...


Prokofjews “Der feurige Engel“ am Theater an der Wien: Siedend...

Helmut Christian Mayer

Bis zum obersten Bühnenrand steht der Turm aus aufgestapelten und verschlungenen Metallbetten, auf welchen in verschiedensten Höhen Frauen sitzen und zum wuchtigen Finalchor singen. Und sie alle werden Zeugen des letzten Übergriffs auf Renata. Ein Inquisitor, ein rauchender Schreibtischtäter, lässt sie sich von Mephisto vorführen und erschießt sie dann: Mit diesem starken Bild lässt Andrea Breth Sergej Prokofjews selten gespielte Oper...