Graz: Stürmische und feinfühlige Zauberwelten bei Sibelius kaum gespielter Bühnenmusik „Der Sturm“

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Sofort heult der Sturm im Orchester los, wild und unbarmherzig, Wellen brausen, Schweinwerfer streifen über das Publikum, ein Segel schwankt im Zuschauerraum: So packend beginnt Jean Sibelius „Der Sturm“ am Grazer Opernhaus. Es ist die letzte Bühnenmusik, die der finnische Komponist neben vielen anderen geschrieben hat. Oper hat er ja nur eine geschrieben: „Die Jungfrau im Turme“ (1896). „Der Sturm“ basiert auf William Shakespeares gleichnamigen Schauspiel (deutsche Übersetzung speziell für Graz: Frank Günther, Textfassung von Laura Olivi, die auch für die szenische Einrichtung der an sich konzertanten Aufführung sorgt).

Drei Schauspieler agieren an der Rampe, durch unterschiedliche Kostümierungen in mehrere Rollen schlüpfend. Dabei zeigen die teils exzessiv darstellende Anne Bennent (u.a. als Miranda, Antonio), wie auch Markus Meyer (u.a. als Prospero oder Alonso) und der mit viel Witz spielende Sebastian Wendelin (u.a. als Ariel, Ferdinand) ihre Wandlungsfähigkeit in Diktion und beim Interagieren.

Immer wieder werden ihre Sprechpassagen auch vom Orchester unterlegt, meist sehr intim nur mit Harmonium und Harfe. Ganz im Kontrast zu den größeren Nummern, in welchen Sibelius in diesem, seinem vorletzten Werk überhaupt, einen Stilpluralismus, quasi ein Kompendium aus seinem bisherigen Schaffen aller Epochen vorführt. Die Wechsel der Stile sind im Falle der heulenden Ouvertüre und einiger anderer Nummer hart an der Grenze zur Atonalität. Auch gibt es bei den Intermezzi eine charakteristische Figurenzeichnung für Prospero, Miranda und Caliban.

Diese klanglichen Zauberwelten, die wunderbar vielschichtige Musik wird von den Grazer Philharmonikern unter ihrem Chefdirigenten Roland Kluttig ungemein feinfühlig, reich nuanciert aber auch packend musiziert. An der Spitze des Sängerensembles steht die Mareike Jankowski als Ariel, die vier Lieder des Luftgeistes herrlich lyrisch und schönstimmig anstimmen darf. Auch Tetiana Miyus gefällt als Juno mit klarem, hellem Sopran. Albert Memeti ist ein höhensicherer Caliban, Markus Butter singt den Stephano etwas knorrig. Nur im Ensemble der drei Männer erlebt man Martin Fournier. Tadellos singt der Chor des Grazer Opernhauses, dessen Einstudierung Bernhard Schneider besorgte.

Und deshalb wurden Properos animierende Schlussworte: „Befreit mich aus der engen Welt mit eurem Beifall, wenn‘s gefällt!“ vom Publikum folgerichtig mit großem Jubel für diese ausgesprochene Rarität bedacht!

Dr.Helmut Christian Mayer

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