Puccinis "Tosca" auf DVD als thrillerhafter Opernfilm

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Packender Opernthriller in Großaufnahme

Es hat schon was, wenn Oper nicht für die Bühne, sondern für das Kino inszeniert wird. Benoit Jacquot machte dies so und schuf bei Giacomo Puccinis „Tosca“ einen packenden Opernfilm, schon 2001, der jetzt neulich als DVD bei ARTHAUS Musik 109292 herauskam.

Geprägt vom großer Ästhetik wird in großartigem, traditionellem Dekor agiert: In einer riesigen Kirche zu Beginn, einem prunkvollen Saal mit brennendem, offenen Kamin im zweiten Akt, wobei im Booklet nicht erklärt wird und auch so nicht erkennbar ist, wo hier gedreht wurde und auf der Plattform der Engelsburg in Rom, hier könnte es sich tatsächlich um den Originalschauplatz handeln, zum Finale. (Bühnenbild: Sylvain Chauvelot). Dazu kommen noch sehr geschmackvolle, historisierte Kostüme von Christian Gasc. Gezeigt wird in detaillierter und ideenreicher Regie ein spannender Opernthriller. Jacquot nützt dabei nicht nur die Totalaufnahme, sondern auch sehr oft die extreme Großaufnahme, die so weit geht, dass man teils auch nur noch die wütenden Augen des römischen Polizeichefs Scarpia sieht. Er lässt die Protagonisten bei dieser Verfilmung, wobei die Musik und der Gesang im Playback dazu gespielt werden, fallweise auch nur schweigen oder die gesungenen Worte von der, zuvor in einem Studio angefertigten Aufnahme zusätzlich bei ihren persönlichen Gedanken nur sprechen. Von der eigentlichen Aufnahme-Session sieht man immer wieder kurze Ausschnitte in bewusst grobkörnigem Schwarz-Weiß. Zudem werden man auch immer wieder Aufnahmen von den Originalschauplätzen, wenn von ihnen die Rede ist, bewusst nur in grobkörniger Farbe gezeigt. Jacquot verfilmte somit keine Bühnen-Tosca sondern inszenierte das Werk für das Kino und hat sich auf die Sänger konzentriert und diese wie Schauspieler agieren lassen.

 

Dass das filmische Unternehmen aber so gelungen ist, ist aber auch der Tatsache zuzuschreiben, dass der Regisseur Singschauspieler ersten Ranges zur Verfügung hat, die zum Zeitpunkt der Aufnahme auch alle in Saft und Kraft am sängerischen Zenit standen. Allen voran bietet Ruggero Raimondi einen Scarpia zum Niederknien: Undurchsichtig, verschlagen, abgründig, mit eiskalten, bösen Augen, mit grausamer aber auch lüsterner Mimik gibt er einen Polizeichef zum Fürchten. Er singt ihn mit schwarzer Brutalität aber auch baritonaler Eleganz. Besonders radikal wird dabei auch die Folterszene und voll packendem, brutalem Realismus der Mord gezeigt, begangen durch die Titelheldin, die diesen mit besonders expressiven „Mori, Mori“ – „Stirb, stirb“ Schreien verstärkt. Diese wird von Angela Gheorghiu mit aller Leidenschaft, Liebe und Verzweiflung und allen Spitzentönen gespielt und gesungen. Besonders gefühlvoll gelingt ihr die Arie „Vissi d’arte“. Ihr zur Seite ist mit Roberto Alagna ein schmelziger, höhensicherer Cavaradossi gefunden, der das „Vittoria!“ strahlend schmettern kann und mit seiner Parade-Arie: „É lucevan le stelle“ begeistert. Erwähnenswert von den vielen, kleineren Rollen sei noch besonders Maurizio Muraro als kerniger, geflüchteter Angelotti erwähnt. Der Chor des Royal Opera House, Covent Garden London, von Terry Edwards einstudiert, und der Tiffins Boys Choir, von Simon Toyne einstudiert, dürfen besonders im Te Deum sehr klanggewaltig auftrumpfen.

Spektakulär und prächtig musiziert auch das Orchester des Royal Opera House Covent Garden London. Der am Pult stehende Antonio Pappano schafft es, viele zündende Funken und eine fast permanente, ja oft sogar siedend ausgereizte Hochspannung zu erzeugen.

Dr. Helmut Christian Mayer

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