© Marco Borelli
Jules Massenet Werther Salzburger Festspiele 1.8.2026
Werther als Ein Mann Spektakel für Benjamin Bernheim
Er ist ein gefeierter lyrischer Tenor, der besonders im französischem Fach reüssiert. Benjamin Bernheim ist an allen großen Opernhäusern gefragt, seine Gesangskarriere begann in Genf und Zürich. Bei den diesjährigen Salzburger Festspielen ist der Franzose als Werther in der gleichnamigen Oper von Jules Massenet Stargast eines konzertanten Opernabends.
Mit seinem warmen Tenor mit stahlendem Timbre und wohl unterlegtem Volumen betört er das Publikum, das ihn frenetisch feiert. Für die ansteckende Begeisterung bedankt er sich mit einer Wiederholung der großen Arie Werthers „Pourquoi me reveiller“ und lässt im der Wiederhoung noch eine Brise mehr den Frühlingswind und ein kräftige Portion Emotionen der tragischen Liebe spüren. Eine Bilderbuchvorführung gesanglich aber auch im Spiel kann er seine Qualitäten ausspielen. Die Rolle des Aussenseiters, der unheilbar in Liebe für Charlotte entflammt, ist überzeugend, stimmig und echt.
Überhaupt wird an diesem Abend viel gespielt und die Starre eines Konzertabends klug mit Charme verlassen. Auch zwei rot gepolsterte Stühle dienen dem aufgelockerten Spiel und dem tragischen Schluss. Seine Liebe gehört Charlotte, die für ihn in ihrer Pflichterfüllung unerreichbar bleibt. Adele Charvat lässt sich zu Beginn aufgrund eines allergischen Befalles ansagen, meistert aber die Rolle der zerissenen gemarteterten Frau, die an ihrer Pflicht und Ehre gekettet ist. Stimmlich wirkt sie vorsichtig und verhalten, gewinnt im zweiten Teil und in der Schlußszene an Ausdruck und Souveränität im Spiel.
Jugendlich unbekümmert und mit ersten Gefühlen konfrontiert kann Sandra Hamaoui ihre Sophie geschickt positionieren und ihre kleine Rolle gut ausfüllen. Den zuerst naiven traditionell unterkühlten Verlobten und späteren Ehemann Charlottes Albert wandelt Andrey Zhilikhovsky zur Autorität mit Profil. Sein dunkler Bariton zeigt sich flexibel, gut führbar und mit Spannkraft. Manuel Winckhler ist ein solider Amtmann oder Le Baili.
Den musikalischen Rahmen und die dramatische symphonische Umsetzung gestaltet Alain Altinoglu am Pult des Orchestre symphonique de la Monnaie, dem Orchester der Oper Brüssel dessen Generalmusikdirektor ist. Er ist Opernroutinier, an allen Häusern gern gesehen und ein Spezialist des französischen Faches. Von Beginn an lässt er daran keinen Zweifel, auch wenn er mitunter mit viel Kraft und Lautstärke die Handlung vorwegnimmt. Den Sängern bleibt er ein umsichtiger Begleiter und unterstützt mit gut aufgebauten Orchesterspiel.Jules Massenet verdichtet das Geschehen in mehrfachen symphonischen Vor- und Zwischenspielen, die Altinoglu entsprechend aufblühen und aufwühlen lässt.
Die jungen Mitglieder des Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor erfreuen mit ihrer Spielfreude und Sicherheit ihrer Stimmen und im Auftritt auf der Bühne.
Am großen Publikumserfolg zeigt sich wie ein darstellerisch und gesanglich gut ausbalanciertes Ensemble, vom Orchester unterstützt, auch konzertante Abende zum szenischen Erlebnis werden lassen.
Dr. Helmut Pitsch
02. August 2026 | Drucken
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