Nabucco - Viel Gefühl und Spannung in der Wiener Staatsoper

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Giuseppe Verdi Nabucco Wiener Staatsoper 5.3.2026

Nabucco - Viel Gefühl und Spannung in der Wiener Staatsoper

Giuseppe Verdis Nabucco ist die italienische Freiheitsoper schlechthin, sein Gefangenchor „Va piensero“ entwickelte sich zur internationalen Freiheitshymne und der Komponist zum politischen Helden."

Für den Regisseur der Inszenierung aus 2001 an der Wiener Staatsoper Günter Krämer ist es vordringlich ein Familienepos, die erste von Verdis "Vater- Opern". So stellt er auch den Konflikt des Vaters mit seinen Töchtern und deren Konflikt untereinander in den Vordergrund. Die politische Komponente Unterdrücker gegen Unterdrückte lässt er im Hintergrund hinter Projektionen hebräischer Schriftzeichen ablaufen. - Bühne Peter Buchholz.. Der so reduzierte Handlungsablauf verliert an Spannung und die Umsetzung eines Familienglücks mit Spielzeug und Kasperltheater auf der rechten Vorderbühne und den Machtinsignien im Schaukasten links ergeben nicht wirklich einen Sinn oder Zusammenhang.

Im Mittelpunkt der aktuellen Wiederaufnahme dieser düster gehaltenen Interpretation steht aber das international erstklassige Sängerensemble. Amartuvshin Enkhbat gilt derzeit als der gefragteste Bariton für Verdis große Rollen Rigoletto und Nabucco, beides fürsorgliche Väter. Der Mongole mit der warmen sehr anschmiegenden Naturstimme zeigt einen vereinsamten Herrscher Nabucco, der seinen Gefühlen keinen freien Lauf lässt. Dies ist nicht unbedingt seine bewusste Rolleninterpretation, vielmehr ist sein Spiel generell von einer Starre geprägt. Diese Emotionen bringt er aber durchaus in der gesanglichen Umsetzung. Fein gestaltet er seine Melodien, die er breit und weich fliessen lässt. Mit Kraft und Akzent tritt er als streitbarer König auf.

Mit Spannung wird das Rollendebüt am Hause von Anna Netrebko als Abigaille erwartet. In dieser anspruchsvollen Partie mit akrobatischen Lagewechseln zeigt die Sopranistin ihre technische Perfektion und unvergleichliche Gesangskultur. Die satte dunkle Tiefe, die sich in den letzten Jahren in ihrer Stimme entwickelt hat, gibt ihrer Zeichnung der Rolle das ganz besondere Etwas. Sicher und markig bleibt die Höhe, in der sie unverändert strahlt und nuancieren kann. Sie spielt mit den Klangfarben, feinsten Piani und schmetternden Höhen und begeistert zurecht das Publikum.

Szilvia Voros Ist kurzfristig als Fenena eingesprungen und findet sich bestens in die Rolle der verstoßenen Tochter und bekämpften Schwester ein. Ivan Magri bietet einen soliden Ismaele mit wenig Bühnenpräsenz. Zu Beginn wegen Pollenallergie als indisponiert entschudigt, kann Alexander Vinogradov mit seinem markigen Bass die Rolle des Zaccaria, Prophet und geistiger Führer der unterdrückten Juden, bestens ausfüllen. Mit Dan Paul Dumitrescu als Oberpriester des Baal steht im hier ein Routinier auf der Seite der Unterdrücker gegenüber.

Musikalisch prägt aber Marco Armilliato am Pult des Wiener Staatsopenorchesters den Abend. Schwungvoll und energisch setzt er Tempi und Volumen, wobei er auf eine transparente zurückhaltende Interpretation wert legt. Dazu gelingt es ihm, den von der Regie in den Hintergrund verbannten Chor und Extrachor der Wiener Staatsoper mit viel Verve in Erscheinung treten zu lassen. Liegend muss der Chor den Gefangenenchor anstimmen, erst langsam erheben sich die Sänger und dürfen in den Vordergrund treten, musikslisch wird hier von Armiliato geschickt Spannung und Stimmung entwickelt.

Ein großer Opernabend wird im restlos ausverkauften Haus bejubelt.

Dr. Helmut Pitsch

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