© Geoffrey Schied
Giuseppe Verdi Rigoletto Bayerische Staatsoper 11.3.2026
München feiert neue Stimmen in farbloser Neuinszenierung von Rigoletto
Bereits zu den ersten Tönen greift eine farblose, inhaltsleere Regie an. Was Barbara Wysocka, die Regisseurin dieser Neuinszenierung von Giuseppe Verdis erfolgreicher und überaus beliebter Oper Rigoletto konzeptionell aufgreifen will bleibt unklar. Zwar spricht sie von einer machtbesessenen Gesellschaft und springt auf die Causa Epstein halbherzig auf. Die Bühne von Barbara Hanicka bringt starke Bilder, die von Wysocka mit einer abgegriffenen Personregie mit wenig Leben gestaltet wird. Zur Ouvertüre sieht der Betrachter Rigoletto seine Tochter von der Umwelt versteckend. Am mondänen Hof des Herzogs von Mantua wird wieder einmal unsäglich gevögelt, nicht wirklich zur politischen Diskussion um Femizide und Epstein passend. GIlda, die geliebte Tochter des buckligen Hofnarrs Rigoletto wird von demselben in einem goldenen Raum festgehalten. Ein paar englische Sprüche und ein Schmetterlinggraffiti schmücken den engen Raum, der nur über eine Treppe und Tür erreichbar ist. Durch die fehlende Tiefe muss das Geschehen sehr beengt ablaufen.Auch Sparafuciles Reich als Sado Maso Club ist nicht wirklich neu. Die verschiedenen Pärchen agieren lustlos nicht wirklich ansprechend. Halbnackte Männer von Dominas an der Leine geführt, hat man mehr als oft schon gesehen.
In den Kostümen von Julia Kornacka steckt wenig Phantasie. Der Hofstaat in dunklen Anzügen, Rigoletto hebt sich im weissen Dinerjacket ab.
Mehr Gestaltungskraft zeigt Maurizio Benini am Pult des Bayerischen Staatsorchesters. Sehr einfühlsam begleitet er die Sänger, feingliedrig und exakt untermalt er deren Vortrag, steuert detailreich Verzierungen bei. Zuwenig lässt er das Orchestern in den Zwischenspielen hervortreten und Stimmung aufbauen, die in der Partitur explosiv stecken. Mit klaren Zeichen führt er den Chor, der sehr präsent am Hof in Erscheinung tritt.
So bleibt das Augenmerk und die Erwartungshaltung des Publikums auf einige Haus- und Rollendebüts des exzellenten Sängerensembles gerichtet. Mit Ariunbaatar Ganbaatar ist nach Amartuvshin Enkbhat erneut ein Sänger aus der Mongolei in die Spitze aufgerückt. Auch er beeindruckt mit einer kraftvollen Stimme, weniger weich unterlegt dafür flexibler und farbiger im Ausdruck. Sprechgesang setzt er mitunter als Stilmittel ein, auch wortdeutlich in der Aussprache. Dazu bewegt er sich lebendig. Serena Saenz begeistert das Publikum mit klaren und festen Spitzentönen, hell im Klang ohne metallen zu wirken. Ihre Gilda wirkt mädchenhaft frisch und gefühlvoll. Berührend wirken Vater und Tochter in ihren Duetten sich gegenseitig Trost und Einigkeit spendend.
Bekhzod Davronov ist ein charmanter gut aussehender Womanizer. Sein Herzog von Mantua ist ein geselliger Draufgänger mit mafioser Attitüde. Stimmlich kann er mit hellen geschwungenen Melodien erfreuen, in die Höhe bewegt er sich sicher, die Leichtigkeit fehlt und die Anstrengung spürbar. Hier ist Umsicht mit dieser schönen Stimme zu empfehlen. Riccardo Fassi ist ein mystischer Sparafucile, der in der Dunkelheit sein Unwesen treibt aber dies mit Anstand vollbringen will. Elmina Hasan schlüpft locker in die Rolle der Domina, zeigt sich aber in der Stimme sehr einfühlsam und menschlich als Maddalena, die für ihren verehrten Herzog eintritt. Martin Snell gelingt als streitbarer Vater und Edelmann Monterone Gewicht in die Rolle zu bringen. Sein Bass dringt mahnend durch den Raum, sein Fluch birgt Schlagkraft.
Heftiger Applaus und lautstarke Anerkennung im ausverkauften Haus.
Dr. Helmut Pitsch
17. März 2026 | Drucken
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