© Anna Schnauss
Wolfgang Amadeus Mozart Cosi fan tutte Gärtnerplatztheater München 8.3.2026
Mozarts Cosi - Witzig frivol mit einem Schuss Satire am Gärtnerplatz
Wer Mozarts Briefe kennt und so manche Erzählung aus seinem Leben, der wird sich in der frivolen frechen Inszenierung aus 2015 seiner Oper Cosi fan tutte am Münchner Gärtnerplatztheater gut aufgehoben fühlen. Oliver Tambosi setzt die Geschichte zweier junger Liebespaare, die ihre Treue testen mit viel Humor aber auch einem satirischen Blick in das Innere der Protagonisten und der Gesellschaft um.
Raffiniert teilt Bühnenbildner Bengt Gomer die Bühne immer wieder durch Herablassen eines übergroßen Bildnisses der beiden Schwestern und Geliebten. Dahinter öffnet sich ein großer weiß gefliester steriler Raum, der mit einfachen weißen Klötzen und Planken möbliert werden kann. So ist keine Umbaupause notwendig und die Handlung fließt flott und lebendig. Rot dominiert in den Kostümen von Carla Caminati für die jungen Damen, weiß bei den Herren. Don Alonso zieht in edlem dunklen Mantel die Strippen, Despina im grauen Kleid als Zofe, im knallgelb Öldress wechselt sie zum Medicus und Notar.
Intelligent witzig und gut austariert ist die umfangreiche Personenregie inklusive Chor von Tambosi. Sie macht den Abend kurzweilig und bunt ohne in den Klanauk zu verfallen.
Das junge Sängerensemble fügt sich gut in die Regie ein und überzeugt in seiner Spiellaune und gesanglichen Ausdruckskraft. Reka Kristof als Fiordiligi und Anna Tetruashvili als Dorabella sind zwei muntere aufgeweckte Schwestern, die aufgeschlossen das Leben genießen wollen. Ihre Aufregung um die beiden Unbekannten ist ansteckend, ihre leichten aufkommenden Zweifel kokett und ihr schlechtes Gewissen charmant in lautesBedauern gedreht. Stimmlich lassen beide mit kräftig sicheren und nuancierten Gesang keine Wünsche offen.
Als Ferrando zeigt sich Gyula Rab mit solidem aber zuwenig lebendigem Gesang. Sein Tenor wirkt kraftlos und im Spiel bleibt er verhalten. Als Guillelmo kann Jeremy Boulton mit gut intonierter und weich timbriertem Bariton und beherzten draufgängerischen Spiel erfreuen. Timos Sirlantzis füllt seine Rolle als seriöser Strippenzieher der Komödie bestens aus. Er dominiert als selbstgefälliger Edelmann Don Alfonso. Er trägt seine Eitelkeit in feinstem Outfit zu Schau. Auch stimmlich bringt er klug Arroganz und Schmeichelei ineinander. Zart in der Gestalt, aber umso selbstbewusster ist Sophie Keiler als rührige Despina, die ihre beiden Herrinnen bestens im Griff hat. Groß ist ihre Wandlungsfähigkeit auch stimmlich und erheitert das Publikum.
Musikalisch führt und hält Ruben Dubrovsky im Graben das Geschehen zusammen und in Spannung. Gut gewählt sind seineTempi, nüchtern die Gestaltung ohne viel Dekor. Klar aber mit Farbe ist sein Mozart, ehrlich und intim. Erfrischend stimmt die Ouvertüre bei geschlossenen Vorhang auf das Kommende ein.
Großer Beifall im ausverkauften Haus.
Dr. Helmut Pitsch
10. März 2026 | Drucken
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