Kolumnen zu folgendem Roland Kluttig

Graz: Szenische Überflutung von Benjamin Brittens „War Requiem...

Helmut Christian Mayer

Von Anfang an steht der blumenübersäte Sarg im Foyer. Er wird dann über den Zuschauerraum hineingetragen und auf der Bühne zentral aufgestellt: Es ist ein skurriles Begräbnis, das da stattfindet. Chor und eine Unmenge von Statisten als aufgeputzte, ordenbehangene Offiziere, Damen in Abendkleidern, Herren in Smokings, Burschenschaftler und viele mehr ziehen endlos zeitraubend in grotesken Kostümen (Annette Braun) in den Zuschauerraum. In diesen ragt eine eigens...


Graz: Saisoneröffnung im Opernhaus mit einem außergewöhnlichen...

Helmut Christian Mayer

„O weiter stiller Friede! So tief im Abendrot…“: Von allen Orchesterliedern von Richard Strauss nehmen die “Vier letzten Lieder”, eine Sonderstellung ein. Sie künden von Todesbereitschaft, Stille und viel Zärtlichkeit. Stilistisch kehrte der damals 84-jährige Meister auf die einfache melodische Linie zurück und schuf Lieder in meisterlicher Vollendung und prachtvoller Schönheit. Es fehlte etwas an Wortdeutlichkeit, aber sonst wurden...


Wagners „Der fliegende Holländer“ in Graz: Über allem thront d...

Helmut Christian Mayer

Schwarz und leergeräumt ist die Bühne. Keine Spur oder Andeutung eines Schiffs (Bühne: Mechthild Feuerstein). Nur zweimal sind schmale gemalte Hänger zu sehen, der Münchner Erstaufführung aus 1864 nachempfunden, etwa im Haus vom Daland mit dem Bild des Titelhelden und im Schlussbild. Im Hintergrund steht ein Mann auf einer Brücke: Es ist Richard Wagner. Er ist omnipräsent und dirigiert von dort das Geschehen des „Fliegenden...


Georg Friedrich Haas „Morgen und Abend“ am Grazer Opernhaus: H...

Helmut Christian Mayer

„Warum ist es so still in der Kammer, so unerträglich still? Ist etwas passiert?“ Nach einem gewaltigen Paukengewitter im Orchester sind dies die ersten Worte des einfachen Fischers Olai, der zwischen Vorfreude und Bangen auf die Geburt seines Sohnes wartet. Es ist der Beginn der zweigeteilten Geschichte von Vater und Sohn, beide Fischer, an der kalten Küste Norwegens über Leben und Tod, die zwischen Realität und Traum, Sehnsucht und Illusion changiert:...


Graz: Ein rasanter musikalischer Orientexpress beim Neujahrsk...

Helmut Christian Mayer

„Dort wo alles friedlich lacht-Lust und Heiterkeit und Pracht“: Mit diesen Worten aus „L’invitation au voyage“ von Henri Duparc lud - gleich nach einem Blick über das Lichtermeer von Paris mit „Fetes“ aus „Trois Nocturne“ von Claude Debussy - zu Beginn Tetiana Miyus charmant zu einer weiten Reise in den Osten ein. Und gleich darauf stampfte die Dampflokomotive bei Arthur Honeggers expressionistischen Stück „Pacific...


Feldmanns „Neither“ bei den Salzburger Festspielen: Meditative...

Helmut Christian Mayer

„Sehr langsam - sehr leise“: Auf Morton Feldman muss man sich einlassen. Denn der US-amerikanische Komponist (1926-1987), dem die Salzburger Festspiele unter dem Motto „Still Live -Zeit mit Feldman“ heuer einen Schwerpunkt mit mehreren Konzerten gewidmet haben, lässt sich nicht einordnen und hat diese zitierten Vortragsanweisungen in seine Partituren geschrieben, als er zu seinem ganz eigenen Stil fand. Und genauso erklingt seine einzige, einaktige Oper...