Rossinis „Barbier“ in Klagenfurt: Eine spritzige Wiedereröffnung

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„Wir sind wieder da und das ist schön! Und es ist schön, dass Sie auch da sind“: Spontanen, begeisterten Applaus bekommt Aron Stiehl zugleich vor Beginn der Vorstellung für seine Begrüßungsworte vom Publikum. „Wir alle brauchen das Publikum. Seit 31.10. letzten Jahres war der Zuschauerraum verwaist. Aber jetzt werden Sie eine Premiere erleben, für die es wegen der Pandemie-bedingten mehrmaligen Verschiebungen nicht weniger als drei Generalproben gab. Das hat es noch nie gegeben,“ so der sichtlich erfreute und glückliche Intendant des Stadttheaters weiter, der sich auch noch bei allen 270 Mitarbeitern des Hauses bedankt.

Sichtlich erfreut ist auch das Publikum, das nach der mit großer Disziplin ertragenen Einlassprozedur mit den Kontrollen auf eigenen, vorgegebenen Wegen in den Zuschauerraum kommt und dort während der gesamten Vorstellung ordnungsgemäß mit FFP 2 Mund-Nasenschutz sitzt. Denn es klatscht und jubelt im, auf Grund der Vorgaben nur zu 50 Prozent besetzten Saal nicht nur am Schluss begeistert, sondern spendet auch immer wieder heftigen Zwischenapplaus.

Und das zu Recht, denn die Premiere von Gioacchino RossinisDer Barbier von Sevilla am Stadttheater Klagenfurt, Corona-bedingt auf zwei Stunden gekürzt, pausenlos und von einem reduzierten Orchester gespielt, ist von hoher Qualität:

Dafür sorgt einmal das in weiten Abständen sitzende Kärntner Sinfonieorchester, wobei alle Musiker außer den Bläsern stets Masken tragen, unter dem ungemein agilen Mitsugu Hoshino mit viel Schwung, Vitalität und duftiger Unbeschwertheit. Der japanische Dirigent hat eine leichte und sehr flotte Lesart der genialen Partitur.

Dafür sorgt aber auch ein tolles Sängerensemble: „Una voce poco fa“: Schon mit ihrer ersten Kavatine vermag Paola Gardina ein wahres Feuerwerk an Koloraturen zu zünden. Die Mezzosopranistin als Rosina ist das sängerische Highlight der Aufführung und spielt eine sehr kokette Rosina. Mario Cassi ist ein ungemein präsenter und buffonesker Figaro, der manchmal allerdings mit seinem stimmgewaltigen Bariton allzu sehr auftrumpft und so manche Feinheit vermissen lässt. Bei seiner berühmten Auftrittsarie schwebt er effektvoll auf einer Schaukel von oben herab. Mit wunderbar lyrischem, leichtem Tenor und bombensicheren Höhen singt Patrick Kabongo den Almaviva. Auch Tiziano Bracci (Bartolo) und Leonard Bernard (Basilio), wie auch der Männerchor des Stadttheaters Klagenfurt, dessen Einstudierung Günter Wallner besorgte, gefallen sehr gut.

Mit leichter Hand und mit viel Witz hat Paul Higgins die Einstudierung der von Laurent Pelly erdachten Inszenierung der Opera buffa, eine Koproduktion mit mehreren anderen Häusern, besorgt. Klar und ohne Firlefanz wird die Geschichte erzählt. Die Personenführung ist immer punktgenau am Puls des Textes und der Musik. Gewisse Gesten sind exakt choreographiert. All dies erlebt man zwischen riesigen, aufgewölbten, vornehmlich leeren Notenblättern in verschiedenen Variationen, auch als Zwischenvorhänge und Gitterstäbe, die das Eingeschlossensein von Rosina symbolisieren.  

Stehende Ovationen!

Dr. Helmut Christian Mayer

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