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Monumentale Orgelmusik erklingt, eine große Prozession schreitet herein, dann plötzlich ein Knall. Eine Kanone auf einem hohen Felsen hat eine Engelsstatue niedergeschossen. Erst dann erklingt das markante „Scarpia-Motiv“: So überraschend beginnt Giacomo Puccinis „Tosca“ im Steinbruch von St. Margarethen im Burgenland. Und wieder kann die heurige Opernproduktion mit einem opulenten Bühnenbild mit vielen ideenreichen Details beeindrucken, wie mit aufgeladener Kirchensymbolik, abgeblätterten lateinischen Inschriften und mit der Basilika Sant’ Andrea della Valle in üppigem, italienischem Barock im Mittelpunkt, seitlich etwas angekramt mit am Boden liegenden Bildern und anderen Trümmern. Damit will Thaddeus Strassberger, der auch schon mehrfach hier das Bühnenbild erdachte und inszenierte, die Kämpfe zwischen römischer Republik und den monarchistischen Kräften Italiens zu Beginn des 19. Jahrhunderts andeuten. Die Figuren werden konventionell, oft aber in viel zur großer Distanz voneinander geführt. Tosca tötet nicht nur Scarpia sondern gleich noch einen seiner Schergen. Die optisch eindrucksvollsten Momente sind, wenn sich beim „Te Deum“ mit gewaltigen Prozessionen von Geistlichen, teils aus dem Publikum und zum Finale die Kirche sich wie ein Altar mit Seitenflügeln öffnet und ihr weiß-gold strahlendes Inneres mit weißgewandeten Choristen mit einem riesigen hin und her schwingenden Weihrauchkessel freigibt. Hier tötet sich Tosca rauchumhüllt mit einem Schwert tötet, statt von der Engelsburg zu springen.
Zu dieser beeindruckenden, imposanten Bildmacht tragen auch die ungemein ästhetischen Kostüme von Giuseppe Palella bei.
Von überwiegend respektabler Qualität ist das Ensemble: „Vissi d’arte“: Joyce El-Khoury singt das Gebet der Tosca ungemein innig und ausdruckstark. Aber auch sonst kann sie als Titelheldin mit viel Kraft und sicheren Höhen und glaubhaftem Spiel begeistern. Yongzhao Yu als Cavaradossi ist von Anfang um keinen Spitzenton verlegen: Auch die extremen Höhen von „Vittoria, vittoria!“, den Freuden Rufen über den Sieg Napoleons bei der Schlacht von Marengo, schmettert der Tenor kraftvoll und mühelos hinaus. Anfänglich stört jedoch sein ausgeprägtes Vibrato in den tieferen Lagen.Seine Paradearie „E lucevan le stelle“ gelingt ihm dann sehr emotionsreich Gevorg Hakobyan ist zwar kein Scarpia zum Fürchten. Er singt ihn aber sehr prägnant. Volodymir Mororzov st ein kraftvoller Angelotti. Gut auch: Peter Kirk (Spoletta), Ivan Zinoviev (Mesner und Sciarrone). Ausgewogen singen der Philharmonia Chor Wien (Einstudierung: Walter Zeh) sowie die Gumpoldskirchner Spatzen.
Dirigent Valerio Galli versteht es, im Piedra Festivalorchester durchaus packende Momente aber auch duftige Klangschönheit und durchhörbare Zartheit zu erzeugen. Manchmal hätte man sich jedoch ein Mehr an Spannung gewünscht; Stehende Ovationen!
Anfänglich konnte Intendant Daniel Serafin wieder viel Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kunst begrüßen. Für nächstes Jahr wird übrigens „Rigoletto“ von Giuseppe Verdi angekündigt.
Helmut Christian Mayer
19. Juli 2026 | Drucken

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