Puccinis "Turandot" in Triest: Stimmungsvolle Szenerie bei gedämpften Klang

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„An dieser Stelle ist Maestro Puccini verstorben“: Wie bei der Uraufführung von Giacomo Puccinis letzter Oper „Turandot“ am 25. April 1926 an der Mailänder Scala vom Dirigenten Arturo Toscanini verkündet, hört das Publikum nach der Szene, bei der Liú ihren Freitod wählt, genau diese Worte über Lautsprecher. Danach wird die diesjährige Eröffnungsproduktion des Teatro Verdi in Triest zur Überraschung des Publikums, ohne den heute üblicherweise gespielten Schluss von Puccinis Schüler Franco Alfano, beendet.

Zuvor erlebt man eine weitere Überraschung: Am Pult gibt es ein Wiedersehen mit Altmeister Nikša Bareza, der jahrelang in Graz gewirkt hat. Unter dem erstaunlich energiegeladenen Dirigat des bereits 83-jährigen aus Kroatien stammenden Dirigenten musiziert das Orchester des Teatro Verdi Trieste mit raffinierter Koloristik und vielen dynamischen Schattierungen, wenngleich man sich eine noch stärkere Ausreizung derselben fallweise gewünscht hätte. Wie überhaupt der orchestrale Klang diesmal recht gedämpft wirkt. Auch ist man innerhalb des Orchesters und auch mit der Bühne teilweise nicht immer eines Sinnes.

Bravogeschrei ertönt nach dem Hit „Nessun dorma“: Der Tenor Amadi Lagha überzeugt als Calaf mit Durchschlagskraft und schöner, müheloser Höhe. Hingegen ist Kristina Kolar eine zu wenig packende stolze und kalte Prinzessin mit ihren tödlichen Rätseln. Bei Desirée Rancatore als Liù hört man zwar Innigkeit aber leider auch sehr viel unschönes Vibrato. Der profunde, auch tremoloreiche Andrea Comelli (Timur), das Ministertrio, jene Modernisierung der alten Figuren der “commedia dell’ arte” Ping (Alberto Zanetti), Pang (Saverio Pugliese), Pong (Motoharu Takei), der Kaiser (Max René Cosotti), der Mandarin (Giuliano Pelizon) und der Chor des Teatro Verdi Trieste (Einstudierung: Francesca Tosi) singen mit recht guter Qualität.

Inszeniert von der großen Sängerin Katia Ricciarelli, die früher selbst die Liú oftmals wunderbar verkörpert hat, gemeinsam mit Davide Garattini Raimondi erlebt man viel Statik aber auch sehr berührende Momente, wie etwa Liùs Tod. Opulente, prachtvolle Kostüme (Giadi Masi), eine moderne Szenerie (Paolo Vitale) mit verschiebbaren beweglichen Elementen, die mit Treppen bestiegen werden können, ein Ballett mit einem tanzenden Henker mit Richtschwert, gepaart mit sinnlichem Licht erzeugen viel stimmungsvolle Ästhetik in dieser Koproduktion mit der Nationaloper aus Odessa. Ein schräger Spiegel im Hintergrund, in dem sich verzerrt Vorgänge auf der Vorderbühne, wie auch Kulissen verzerrt spiegeln, wird zu einer riesigen, heruntergelassenen Rampe, auf der die Prinzessin immer wieder erscheint. Der wunderbar ausgeleuchtete, stimmungsvolle, große Mond wird später zum Gong, auf den Calaf schlägt um sich den Rätseln zu stellen.

Das Publikum reagierte mit abgestuftem Applaus!

Dr. Helmut Christian Mayer

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