Massenets "Manon" in Wien: Reiches französisches Parfum

Xl_manon-mkhitaryan__c__wiener_staatsoper_-_michael_p_hn-1-26 © Michael Pöhn

„Je suis seul…“: Es ist wohl die bekannteste Arie des Chevaliers des Grieux, mit der er allein gelassen im Kloster seine Einsamkeit besingt. Benjamin Bernheim singt nicht nur sie, sondern seinen gesamten Part bei seinem Rollendebüt bei der Wiederaufnahme von Jules Massenets „Manon“ an der Wiener Staatsoper mit butterweichem, betörendem, stilsicherem Tenor, reich an französischem Parfum sowie allen ungefährdeten Höhen. Aber auch als Titelheldin gefällt wie schon 2024 Kristina Mkhytaryan: Zart und berührend, flexibel und klar sowie mit tadellosen Spitzentönen. „Adieu, notre petite table“:Jene bekannte Arie, wo Manon Lescaut von ihrem winzigen Tischchen ihres Liebesnests in der kleinen Pariser Garconniere Abschied nimmt, gelingt ihr sehr zart und berührend. Sie lässt sie auch erotisches Verführertum und Koketterie nicht vermissen. Auch ihre Wandlung von der naiven Landpomeranzen zur luxusliebenden Großstadtdame gelingt ihr großteils glaubhaft darzustellen. Bei ihrer Sterbeszene kommt von beiden Protagonisten großes Gefühlstheater auf. Da können die übrigen Mitstreiter nicht ganz mithalten: Stefan Astakov ist ein zu leichtgewichtiger Lescaut. Matheus Franca  singt den Grafen des Grieux im Einheitsforte. Andrea Giovannini (Guillot de Morfontaine) und Leonardo Neiva (Brétigny) singen solide. Leichtstimmig hört man Hyejin Han (Poussette), Florentina Serles (Javotte) und  Teresa Sales Rebordao T( Rosette). Der Chor, teils im Orchestergraben verbannt, klingt sehr homogen.

Durchaus emotions- und nuancenreich sowie reich an französischem Parfüm wird im Orchester der Wiener Staatsoper unter dem sehr routinierten Bertrand De Billy musiziert.

Immer noch nicht besser wirkt die Inszenierung von Andrei Serban aus 2007. Er verlegt die Geschichte nach dem Buch vom Abbe Prevost ins Paris der Zwischenkriegszeit und zeigt ein dunkles Gangsterepos teils im Rotlichtmilieu, in dem immer wieder mit Pistolen herumgefuchtelt wird und sonnenbebrillte Typen auftauchen. In einer dunklen Kulisse mit billig wirkender Ausstattung (Peter Pabst) sieht man ständig unsinnig herumstehende Pappfiguren, sinnlos herumturnende Personen oder in ihrer Bewegung grundlos erstarren, und auch Projektionen, den Bahnhof, das Kloster oder das Vergnügungsviertel darstellend. Zudem gibt es viele lächerliche, verzettelnde Details dafür ,außer bei den Protagonisten, keinerlei psychologische Deutung.

Viel Applaus, vor allem für die beiden Hauptrollen!

Dr. Helmut Christian Mayer

 

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