Maribor: Verdis "Un ballo in maschera" mit effektvollen Klängen und ästhetischer Statik

Xl_maskenball-marburg-5-26-1 © Oper Maribor

Bildmächtig und ästhetisch ist sie zweifellos, die Szenerie der einzelnen Akte mit der imposanten, dunklen Stiege zu Beginn, mit dem unheimlichen, unterirdischen Gewölbe im Reich von Ulrica, dem schaurig vernebelten Friedhof und dem eleganten Ballsaal zum Finale. Geschmackvoll und bunt sind die historisch stilisierten Kostüme. Massimo Pizzi Gasparon Contarini hat all dies für Giuseppe Verdis „Un ballo in maschera“ erdacht. Nur gelingt es dem italienischen Regisseur hier am Opernhaus von Maribor/Marburg nur bedingt, diese mit Leben zu erfüllen. Denn in dieser Koproduktion mit dem Teatro Regio di Parma wird hauptsächlich herumgestanden und herumgeschritten und zu wenig agiert. Wie wohl das Ballett fallweise dem Geschehen etwas mehr Aktivität verleiht, wirkt dieses traditionelle Stehtheater heutzutage ziemlich antiquiert.

Und so kommen hier in Marburg die Emotionen der Protagonisten hauptsächlich musikalisch über die Rampe. Man zeigt die 1859 zensurierte Version, die Verdi aus dem schwedischen König Gustav III einen amerikanischen Gouverneur Riccardo machen ließ. Diesen singt Sung Kyu Park mit imposanter Stimmgewalt, viel Schmelz und allen Spitzentönen. Während Rebeka Lokar als Amelia in den Piani noch passabel klingt, ist ihr Forte von einem extremen, unschönen Vibrato geprägt. Luka Brajnik als Renato verfügt über einen warmen, prägnanten Bariton. Petya Ivanova gefällt als lässig tänzelnder Page Oscar mit sauberen Koloraturen. Agostina Smimmero ist eine dämonische, stimmgewaltige Ulrica mit fülliger Tiefe. Tadellos sind auch die kleineren Partien und der Chor des Marburger Opernhauses zu hören.

Mit enormer Agilität leitet Valentin Engel das Orchester des Marburger Opernhauses. Es wird immer effektvoll und dabei sängerfreundlich musiziert. Die wunderbaren lyrischen Phrasen werden voll ausgekostet. Zum Schluss gab es viel Applaus und großen Jubel beim Publikum!

Dr. Helmut Christian Mayer

 


 

 

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