© Darja Stravs Tisu
Da riefen aus weiter Ferne Trompeten zum „großen Appell“. Dann tönte wie aus einer anderen Welt ein einsamer Vogelruf der Piccoloflöte herüber. Hierauf intonierte vorerst a-cappella in gehauchtem, kaum hörbaren Misterioso der Chor erstmalig die Klopstock-Ode „Aufersteh’n, ja aufersteh’n“. Aber dann schwang sich in unaufhaltsamer Steigerung die Musik zu abgehobenen, sphärischen Höhen und monumentalen Klängen ins mehrfache Fortissimo empor: Aber nicht nur diese, eine der beeindruckendsten Stelle der gesamten Mahler‘schen Symphonik faszinierte, sondern die gesamte wunderbare 2. Symphonie, die „Auferstehungssymphonie“ von Gustav Mahler im Cankar Center beim Ljubljana Festival.
Dafür sorgte das London Symphony Orchestra unter Antonio Pappano. Denn mit suggestiven Gesten, die den auch solistisch bestens disponierten Musikern viel abverlangten, gelang es dem Chefdirigenten, alle gewünschten Effekte zu erzielen. Von Anfang an wusste der britische Dirigent eine ungemeine vibrierende Spannung zu erzeugen und diese auch trotz etwa neunzig minütiger, kräfteraubender Länge des Werkes sowie trotz teils breitgewählter Tempi zu halten und all dies in Klangbalance und enormen Farbenreichtum zu musizieren.
Das monumentale Werk, das das Menschheitsproblem von Tod und Auferstehung genial verarbeitet, wusste somit mit großem Stimmungs- und Kontrastreichtum zu beeindrucken. Dazu trugen auch der äußert sensible, aber auch stimmgewaltig, homogen und rein singende litauische Kaunas State Choir (Einstudierung: Robertas Servenias) wie auch die beiden Gesangssolisten bei, allerdings etwas intonationsunsicher die Sopranistin Maria Bengtsson und Noa Beinart, deren Alt beim feierlichen Urlicht-Gesang „O Röschen rot, der Mensch liegt in höchster Not…“ (einem Gedicht aus des Knaben Wunderhorn) besonders warm und weich zur Geltung kam.
Stehende Ovationen eines restlos begeisterten Publikums!
Dr. Helmut Christian Mayer
08. September 2026 | Drucken

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