© Karlheinz Fessl
Reiche ägyptische Ornamente an Ziegelmauern, angedeutete Gewölbe und Säulen, ein Mosaikboden, hohe, geschwungene Vorhänge, brennende Feuerschalen und suggestive Lichtstimmungen in einem weiten Bühnenraum: Es sind Bilder von erlesener Ästhetik und Opulenz, wie aus einem Museum. Durchaus gewollt, denn Intendant und Regisseur Aron Stiehl und sein hauseigener Bühnenbildner Thomas Stingl sowie die Kostümbildnerin Emmanuela Cossar haben sich für die Eröffnungspremiere von Giuseppe Verdis „Aida“ am Klagenfurter Stadttheater diese optischen Anleihen direkt bei der Ägyptischen Sammlung des Neuen Museums in Berlin geholt und einen Raum davon als Einheitsbühnenbild samt geschmackvollen, historisierten, teils prächtigen Kostüme nachgestellt.
Darin lässt Stiehl die Geschichte der unglücklichen, letal endende Liebe zwischen Aida und Radamès in Kriegszeiten zwischen Ägypten und Äthiopien spielen: So sieht man beim „Triumphmarsch“ Projektionen von marschierenden Truppen, Bombenexplosionen und zerbombten Städten, offenbar mit der Botschaft, dass Grausamkeiten eines Krieges nie Grund für Jubel sein können. Und dann tauchen fünf Diktatoren der Weltgeschichte Stalin, Napoleon, Fidel Castro und Mussolini wie auch Donald Trump als Kind auf, die in Slapstick Manier herumtanzen und mit der Weltkugel spielen (Choreographie: Sabine Arthold). Eine entbehrliche Einlage, während sonst bei den eigentlich dafür vorgesehenen Teilen der Oper leider kein Ballett zu erleben ist. Die großen Chorszenen sind meist von statischer aber großer Ästhetik geprägt.
Aron Stiehl weiß in seiner konventionellen Inszenierung der populären Oper, die zu den weltweit meist gespielten zählt, kammerspielartig auf die einzelnen Charaktere Bedacht zu nehmen. So werden konzentriert auf die Protagonisten die zwischenmenschlichen Beziehungen mit psychologischem Tiefgang detailreich herausgearbeitet, wodurch seine Inszenierung immer wieder packt und viele berührende Momente aufweist. Sie schreckt aber auch nicht vor Rohheit zurück, wie etwa wenn die Sklavinnen drangsaliert werden. Besonders die Personenführung bei der Auseinandersetzung zwischen den Frauen, wie auch Aida mit ihrem Vater Amonasro gehen unter die Haut. Zum Finale hätte man sich einen szenischen Hinweis auf die Grabkammer der eingemauerten Protagonisten und zwischen ihnen mehr intimere Nähe gewünscht. Ganz zum Schluss schreiten diese dann auf der dunkler werdenden Bühne nach hinten in ein gleißendes Licht.
Die Sängerriege selbst lässt kaum Wünsche offen: Anna Princeva ist eine zerbrechlich und sehr authentisch wirkende, innig berührende Aida mit feinen Lyrismen, die auch über eine gewaltige dramatische Stimmkraft und blühende Höhen verfügt. Mit müheloser Höhe, schöngefärbt, feinen Piani aber auch großem Volumen singt Vasyl Solodkyy ihren Geliebten Radamès. Er kann auch gleich zu Beginn mit der gefürchteten Arie „Celeste Aida“ fast makellos begeistern. Neben ihm ist die sehr elegant gewandete Ruzana Grigorian eine sehr präsente Amneris mit reicher Stimmkraft und vielen Zwischennuancen. Bei den Herren dominiert Tommi Hakala als exzellent spielender und wunderbar kerniger Amonasro mit Riesenstimme. Giorgi Chelize ist ein warmstimmiger Oberpriester Ramfis. Etwas schwach klingt der König des Gheorghe Severin. Tetyana Prybura ist eine klar singende Priesterin. Stimmgewaltig und homogen ist der oft Fahnen schwingende Chor und Extrachor des Stadttheaters (Einstudierung: Günter Wallner) zu hören.
Chefdirigent Chin-Chao Lin leitet das Kärntner Sinfonieorchester souverän: Abgesehen von einigen zu hitzigen, lautstarken Momenten, die es den Sängern nicht ganz leicht machen, blühen glutvolle Emotionen und feine Tonmalereien auf. Da sind viele farbliche und dynamische Abstufungen zu hören. Stehende Ovationen!
Dr. Helmut Christian Mayer
23. September 2026 | Drucken

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