© Helge Bauer
„Come scoglio“ („Wie ein Fels“): Nicht nur mit dieser emotionsreichen, vortrefflich gelungenen Arie kann Lucia Tummineli überzeugen, sie ist auch sonst eine innige, fein phrasierendeFiordiligi, reinsten Koloraturen und ungefährdeten Höhen. Wieder einmal ist es sehr erfreulich, welch qualitativ hochstehendes, homogenes und auch spielfreudiges Sängerensemble das Stadttheater Klagenfurt für „Cosi fan tutte“ von Wolfgang Amadeus Mozart aufbieten kann. So ist Martina Baroni ebenso eine sängerisch exzellente Dorabella mit berührendem Timbre. Luisa Mordel ist eine quirlige und kecke, meist putzende Despina, die auch verkleidet köstlich als Ärztin oder Notarin reüssieren kann. Samuel Stopford als Ferrando tritt als vielversprechender, lyrischer, heller Tenor mit ungefährdeten Höhen auf, der mit seinem Ohrwurm „Un aura amorosa“ schwärmerisch punkten kann.Darwin Prakash verfügt als sehr viriler Guglielmo über einen weichen und warmen Bariton. Nikolay Borchev singt den Don Alfonso als feinsinnigen Philosophen und agiert gekonnt als Spielmacher der Geschichte. Sehr ausbalanciert ist der Chor des Hauses (Einstudierung: Günter Wallner) zu hören.
Ebenso erfreulich ist, dass Michael Hofstetter, der bereits letzten Februar Glucks „Orfeo ed Euridice“ dirigierte, wieder am Pult des Kärntner Sinfonieorchesters steht. Unter seiner agilen Leitung wird im höhergefahrenen Orchestergraben mit großer Energie pointiert, aber auch mit delikaten Farbabmischungen elegant, durchhörbar und duftig musiziert.
„Liberté“ prangt in großer Leuchtschrift über der Bühne, im Hintergrund erkennt man die angedeutete Silhouette des Eiffelturms: In Paris des 20. Jahrhunderts und nicht wie vorgesehen in Neapel das 18. Jahrhundert lässt Nilufar K. Münzing die als schwer zu inszenierend geltende Oper, der dritten kongenialen Zusammenarbeit Mozarts mit dem Librettisten Lorenzo Da Ponte, spielen. Ein besonderer Grund dafür erschließt sich eigentlich nicht aber der Inhalt des Stücks über Liebe, Verführung und Untreue sowie das Experiment und die Wette darüber ist eigentlich immer zeitlos. Und so sind auch die Bühne (Britta Lammers) und die teils schrillen, bunten Kostüme (Uta Gruber-Ballehr) in dieser Zeit angesiedelt. Ein drehbarer, heruntergekommen wirkender Betonblock, dessen Glasfenster schon ziemlich Grünspan angesetzt haben, dominiert die Szene. Ein mächtiger Luster liegt davor am Boden, der mit Herbstblättern bedeckt ist. Schon bei der Ouvertüre gibt es reges Treiben auf der ziemlich bunten und schrillen Szenerie mit unterschiedlichen Lichtstimmungen. Später werden hier giftige Schwammerln herausschießen, mit denen sich die beiden Männer vergiften wollen. Nachdem sie als Soldaten mit schmucken Uniformen ihre Frauen verlassen haben, kehren sie als grell gewandete Hippies zurück. Dorabella entspannt sich, Sekt trinkend auch gerne in einer Badewanne. Mit vielen Gags, Details und Ideen wartet die deutsche Regisseurin, die bereits letzten März hier am Haus Donizettis „Liebestrank“ schon erfolgreich inszeniert hat, in diesem bösen Spiel auf. Nicht zu Unrecht lässt sie den ersten Akt als unbeschwerte Farce ablaufen. Manches wirkt jedoch etwas überzogen, manches wie die Selbstmordversuche mit Messer oder Strom wirft Fragen auf, manches lässt den Abend auch stückbedingt eine gewisse Langatmigkeit erzeugen. Aber sie wirft immer wieder einen tiefen Blick in die menschliche Seele und schafft glaubhafte Charaktere, deren Gefühlsverwirrungen man teils nur durch Blicke und kleine Geste erkennen kann.
Heftiger Applaus und teilweise stehende Ovationen!
Dr. Helmut Christian Mayer
05. November 2026 | Drucken

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