Elīna Garanča und Freunde begeisterten trotz widriger Wetterbedingungen bereits zum 15. Mal mit „Klassik unter Sternen“ im Stift Göttweig

Xl_klassik_unter_den_sternen-garanca-baek-nakamura-c_katharina_schifl-g_ttweig-7-23-2 © Katharina Schiffl

„Vissi d’arte“: Mit diesem Ohrwurm aus Giacomo Puccinis „Tosca“, den sie überhaupt zum ersten Mal bei „Klassik unter Sternen“ im Innenhof des wunderbaren Stiftes Göttweig sang, bezauberte Elīna Garanča mit vielen Nuancen und großer Innigkeit gleich das Publikum.

Zum 15. Mal fand dieses besondere Event heuer statt, allerdings diesmal unter ziemlichen widrigen Wetterbedingungen. Denn bis kurz vor Beginn regnete es heftig. Dann ließ der Regen zwar nach aber ein unangenehmer kalter Wind mit heftigen Böen ließ die Regenhäute rascheln und die Mikrophone brummen, schluckte viele Feinheiten im Orchester und beeinträchtigte so das Hörvergnügen. Und leider sah man vor lauter Wolken keine Sterne funkeln.

Funkeln hörte man aber trotzdem Elīna Garančas kostbaren samtigen und klaren Mezzosopran. Zudem vermochte sie ihm wieder eine unerschöpfliche Palette an Farben und Schattierungen zu entlocken. Die lettische Star-Mezzosopranistin, zuerst im aparten Zweiteiler und dann wieder im obligaten Salondirndl, war stimmlich in Topform. Dies war auch bei „Io son l’umile ancella“ aus Francesco Cileas „Adriana Lecouvreur“ und bei vielen Duetten zu erleben, etwa ganz besonders bei „L‘abborita rivale a me sfuggia“ aus Giuseppe Verdis „Aida”, wo sie sich als Amneris mit Radames, gesungen von SeokJong Baek eine extrem leidenschaftliche Auseinandersetzung lieferten. Der junge koreanische Tenor glänzte auch mit viel Schmelz und mühelosen, strahlenden Höhen bei „Recondita armonia“ aus „Tosca“ oder beim großen Liebesduett aus Puccinis „Madama Butterfly“, das er gemeinsam mit Eri Nakamura sehr gefühlvoll präsentierte. Die junge Japanerin, eingesprungen für die erkrankte Eleonora Buratto, gefiel auch mit kraftvollem, ausdruckstarkem Sopran bei „Un bel dì vedremo“ aus derselben Oper.

Der erst 25 Jahre alte Österreicher Felix Pacher ist aus dem von Garanča ins Leben gerufenen Gesangswettbewerb „Zukunftsstimmen“ von 50 Bewerbern als Sieger hervorgegangen. Und spätestens, wenn man ihn bei der Arie „Fünftausend Taler“ aus Albert Lortzings „Wildschütz“ hörte, wusste man warum, denn er verfügt über einen prächtigen Bass mit allen Tiefen.

Garančas Gatte Karel Mark Chichon am Pult des Wiener Volksopernorchesters,der wegen des Windes immer wieder mit der sich selbständig verblätternden Partitur kämpfen musste, begleitete alle sorgsam und gefühlvoll. Davor und dazwischen gefiel das gut disponierte Orchester bei der Ouvertüre zu „Aida“ und dem „Tanz der Stunden“ aus Amilcare Ponchiellis „La Gioconda“.

Für den besonderen Anlass hatte der britische Dirigent auch wieder ein Medley zusammengestellt. Unter dem Motto „Around the World“ verband er beliebte Songs aus aller Welt, darunter „Wien, Wien nur du allein“, „Amapola“, „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ wie auch „My Way“ und „New York, New York“, die von den dreien mitreißend interpretiert wurden.

Schließlich konnten sich die zahlreichen Fans, darunter viel Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Medien, an der Zugabe „Lippen schweigen“ aus Franz Lehárs „Lustiger Witwe“, die den stimmungsvollen, romantischen Abend beschloss, erfreuen. Dieser wurde wieder von Barbara Rett charmant vor der herrlichen, in verschiedenen Farben ausgeleuchteten Kulisse des Benediktinerstiftes moderiert. Großer Jubel!

Dr. Helmut Christian Mayer

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