"Cosi fan tutte" als Live-Stream aus der Scala: Statische, konservative Ästhetik

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Tiefblau, in großer Weite und glitzernd liegt das Meer vor uns, mit einer kleinen vorgelagerten Felsinsel und einem Leuchtturm weit hinten: Es ist der Blick, den man von der weitläufigen, mit Säulen umrankten, eleganten Terrasse der prunkvollen, marmornen Villa in der Nähe von Neapel hat: Mauro Pagano hat diese vielleicht etwas altmodische aber ungemein ästhetische Szenerie vor etlichen Jahren geschaffen und ebenso die traditionell barocken, prachtvollen Kostüme der Zeit. Es ist eine heute vielleicht doch etwas museal anmutende Ausstattung, die auch vor falschen Bärten bei der Verkleidung und vor prächtigsten Uniformen nicht zurückschreckt, aber eine die die Traditionalisten unter den italienischen Opernbesuchern lieben, deswegen wird sie auch heute noch an der Mailänder Scala gezeigt. Dazu gehört auch die überwiegend bewegungsarme, konservative Inszenierung von Michael Hampe, der die Geschichte von „Cosi fan tutte“ von Wolfgang Amadeus Mozart klar und verständlich erzählt. Sie wurde jetzt von Lorenza Cantini aufgefrischt und live aus dem Teatro della Scala di Milano gestreamt. Da gibt es keine überbordenden Ideen und keine Neudeutungen. Alles läuft haarscharf so ab, wie es das Libretto von Lorenzo da Ponte vorsieht. Dabei kommen auch die Hintergründigkeit, die Verwirrungen der tiefen Gefühle und die zwischenmenschlichen Beziehungen nicht zu kurz.

Sängerisch auf durchaus hochstehendem Niveau ist beinahe das ganze Ensemble: Eleonora Buratto singt die schwierige Partie der Fiordiligi sehr flexibel und gefühlvoll.  Ihr Sopran klingt jedoch teils recht herb. Die mit guten sängerischen Mitteln ausgestattete Emily d'Angelo singt die Rolle der Dorabella mit runden, warmen Tönen. Federica Guida ist eine nur bedingt spritzige und quirlige Despina.

Das Orchestra Teatro alla Scala unter dem quirligen Giovanni Antonini hört man sehr intonationssicher und ausbalanciert, mit blühender Melodik, großer Eleganz, delikaten Farbabmischungen,sprühender Spritzigkeit aber auch luftigem Schweben. Bogdan Volkov vermag als Ferrando, wie schon bei den letztjährigen sommerlichen Salzburger Festspielen, schöne tenorale, lyrische Töne hören lassen. Wunderbar gelingt ihm dabei die Arie: „Un aura amorosa“. Pietro Spagnol singt den Don Alfonso mit edlem Bariton und sehr nuancenreich. Sehr kultiviert klingt Alessio Arduini als Guglielmo. Tadellos singt auch der Chor des Hauses.

Dr. Helmut Christian Mayer

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