Ästhetisches, bildmächtiges Ambiente bei Puccinis „Tosca“ am Teatro Verdi Triest

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Soldaten mit brennenden Fackeln und Hunden suchen gleich zu Beginn hektisch nach dem geflohenen, politischen Häftling Cesare Angelotti. Und auch sonst sieht man bei Giacomo Puccinis „Tosca“ am Teatro Verdi in Triest immer wieder zur Handlung passende Filmsequenzen. Mit einer Mischung von weiteren Projektionen, wie einem stilisierten Kirchenraum, einer Palastfassade und riesigen Figuren sowie imposanten, realen Kulissen wie einem mächtigen Arm mit einer Lanze und einem schiefen großen Kreuz sowie massiven Eisentüren sorgt Hugo de Ana für eine beeindruckende Bildmacht: Der argentinische Regisseur ist bekannt für seine klassisch konventionellen Inszenierungen, das hat er schon mehrfach, etwa in der Arena von Verona bewiesen. Dabei hat er immer einen untrüglichen Sinn für stilvolle Ästhetik. Da er seine gesamten geschmackvollen Vorstellungen selbst umsetzen will, zeichnet er stets auch für die gesamte Ausstattung verantwortlich. Trotzdem wirkt die Geschichte in eleganten, historisch stilisierten Kostümen in dieser beeindruckenden Szenerie nicht verstaubt. Denn seine kluge Personenführung mit vielen Details erzeugt starke emotionale und packende Momente.

„Vissi d’arte“: Kristina Kolar weiß als Titelheldin nicht nur bei ihrer Paradearie mit Innigkeit zu begeistern, sondern auch sonst mit vielen Nuancen und Farben sowie kraftvollen, dramatischen Ausbrüchen. Stimmlich lässt der junge italienische Tenor Raffaele Abete, bei „È lucevan le stelle“ die Sterne blitzen, als er als Cavaradossi auf der Engelsburg auf seine Hinrichtung wartend von der Welt und seiner Geliebten hinreißend Abschied nimmt. Auch sonst ist er um keinen Spitzenton verlegen. Die eine oder andere Passagen könnte vielleicht noch strahlender klingen. Wiewohl sein erster Auftritt begleitet von Soldaten mit Gewehren und aufgepflanzten Bajonetten, die die Menschenmenge brutal auf die Seite stoßen, packt, überzeugt Stefano Meo als Scarpia weniger. Sein römischer Polizeichef ist zu wenig furchterregend, zu wenig präsent und er singt ihn mit einem teils recht ausgeprägtem Vibrato. Untadelig sind die vielen kleinen Rollen besetzt.

Souverän leitet Christopher Franklin das Orchester des Teatro Verdi. Schlüsselszenen werden mit spannendem Zupack herausgearbeitet, zahlreiche gefühlvolle Momente klingen einnehmend gut.

Viele Bravi im restlos begeisterten Publikum!

Dr. Helmut Christian Mayer

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