Wuchtig und spröde - Idomeneo kehrt nach München zurück

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Wolfgang Amadeus Mozart Idomeneo

Münchner Opernfestspiele am 26.7.2021

Grossflächig und raumgreifend sind die Bühnenbilder von Phyllida Barlow für die Neuinszenierung von Wolfgang Amadeus Mozarts Oper Idomeneo im Prinzregenten Theater in München. Viel wurde im Vorfeld von der Mitwirkung der gefeierten Künstlerin gesprochen. Im Haus der Kunst in München wird ihr eine große Ausstellung gewidmet. Es ist dies eine weitere Opernproduktion, die international anerkannte Künstler für die Bühnengestaltung heranzieht.

Am  9.Januar 1781 wurde die Oper in unmittelbarer Nähe hier im Cuvillestheater uraufgeführt. Insofern fühlen sich die Münchner Opernfestspiele dieser Oper besonders verpflichtet. Die Tragedie en musique erzählt die Geschichte von König Idomeneo, der aus dem trojanischen Krieg nach Hause zurückkehrt. Um die Götter gnädig zu stimmen legt er ein Gelübde ab, welches seinen Sohn zum Opfer der Götter werden lässt. Aber alles findet ein gutes Ende. 

Die Werke und so auch die Bühnenbilder der 1944 geborenen Engländerin zeigen sich von alltäglichen Baustellen als auch dem kriegszerstörten London inspiriert. Ihre monumentalen Skulpturen sollen dem Betrachter keinen Abstand zur Betrachtung geben. Sie spielen mit optischen als auch Gravitätsgesetzen. Malerie und Bildhauerei verknüpft sie ebenso in Ihren Werken. So wird ein verwinkektes Stelzengerüst zur Felsenküste oder eine technisch überdimensioniert wirkende Schräge zum Wellenbrecher. Wie bemalte Baumhäuser mutet der königliche Palast. Alle Bauten auf der Bühne sind aus leichten Materalien und werden locker verschoben.

Der Regisseur Antu Romero Nunes findet hier wenig Raum für seine Personenregie. Phyllida Barlow folgend mutet die Gesellschaft der Kreter wie ein Bautrupp an, der auf der Baustelle schuftet. Am Ende packt  Idomeneo auch seine Jause nach getaner Arbeit aus und beißt in sein Pausenbrot. Die schwere Zuganglichkeit der Konstruktionen behindert auch den lockeren Fluss. So haben die Sänger einiges zu klettern und werden  immer wieder an Seilen gesichert. Auch der Choreograf Dustin Klein müht sich in seinen Balletteinlagen. Sie fruchten nicht richtig und fügen sich inhaltlich nicht gestalterisch ein. Oft stehen die Tänzer um die Sänger beobachtend oder schwirren auch mal in den Lüften. Am Ende kommt es zu einem bunten wirbelnden Treiben. Sind dies die Meeresgötter die den barmherzigen Neptun feiern? Victoria Behr steckt diese in phantasievolle Kleider und Masken.  Die Kreter sind dagegen in unscheinbaren Anzüge in bunten Farben gesteckt.  Illa erhält ein orang schimmerndes  transparentes weit fallendes Kleid. Idomeneo in den nur zu oft genutzten langen Mantel. Die Priester dürfen in edel anmutenden Talar Opfer bringen. Michael Bauer schenkt dem Geschehen leicht gedämpftes Licht und spielt mit Scheinwerferlicht im gesamten Raum. Insgesamt gibt es auf der Bühne viele Bilder, die aber nicht zusammenfinden.

Dies gelingt aber Constantinos Carydis umso eindrucksvoller im Orchestergraben. Hier gibt es Gewitter, Blitz und Donner oder Stürme zum Fühlen. Das bayerische Staatsorchester wirkt entfesselt und Mozart wird sehr lebendig und farbenreich musiziert. Vielfältig ist die Instrumentierung und alle Schattierrungen arbeitet der Dirigent heraus.  Aus dem Graben angespornt bieten die Sänger durchgehend höchstes Niveau. Der Amerikaner Matthew Polenzani hat einen schönen schlanken Tenor der feine lyrische Legati auskostet. In den Koloraturen fehlt die Klarheit. Emily D‘Angelo verleiht Idamante jugendliche Frische und Borstigkeit. Ihre klarer Mezzosopran hat Farben und sie streicht viele Nuancen heraus und so werdem ihre Auftritte sehr lebendig. Olga Kulchynska intoniert sehr präzise und trifft die Höhen in gewagtesten Sprüngen und feilt auch genau an den Koloraturen. So wird der Konflikt und die Liebe Illas verständlich in Gefühle verpackt. Hanna-Elisabeth Müller brilliert als gedemütigte Elettra. Ihre Schlussarie wird zum spannenden Wahnsinnsakt.

In bester Verfassung zeigt sich der Chor der Bayerischen Staatsoper verstärkt mit dem Extrachor. Stellario Fagone hat hier viel Augenmerk in Intonation, Phrasierung und Dramatik gesteckt. Zumeist agiert die SängerInnen statisch an der Rampe. Dies verstärkt die Wucht der gesanglichen Wirkung.

Viel Begeisterung beim Publikum für die außergewöhnliche Produktion, die in ihren Einzelheiten viel zu entdecken bietet.

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