Walküren in geringer Drehzahl in München

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Nach dem gelungenen Vorspiel setzen die Münchner Festspiele den diesjährigen Ringzyklus mit Walküre fort. Der Abend verspricht ein besonderes Highlight, kehrt ja der Münchner Startenor Jonas Kaufmann nach acht Jahren wieder als Siegmund auf die Bühne zurück. Damals an der Metropolitan Oper in New York wurde sein Rollendebüt gefeiert. Mit Liederabenden und grossen Open Air Konzertauftritten ist der Tenor zur Zeit neben den Opernauftritten sehr beschäftigt. Vielleicht liegt es daran, dass an manch einer Stelle die Textgenauigkeit fehlte, dafür schenkt er seiner stürmischen Spielfreude und dem Gesang besondere Freiräume. Mit viel Verve und Gefühl gestaltet er seine Partie, setzt seine Pianissimi ein, vollmundig singt er die romantischen Melodien ariös. Belcanto gleich zieht er seine hohen Töne nach oben, um noch mehr Strahlkraft zu gewinnen und seine stimmlichen Grenzen abzufedern. Sehnsuchtsvoll sendet er seine Wälse - Rufe langgezogen an. Die Verkündigung mit der bestens disponierten Nina Stemme als Brünhilde wird zum geschwisterlich vertrauten Dialog. Mild und leise tauschen sich die beiden aus, bevor Jonas Kaufmann nochmals heldenhaft in den Zweikampf einsteigt.

Mild und leise gestaltet Wolfgang Koch auch seinen Wotan. Wie schon in Rheingold gibt er sich wenig kämpferisch, hier nahezu gebrochen und verharrt über weite Strecken im Sprechgesang. Dies auch aus Problemen mit seiner Stimme, die sich im letzten Akt deutlich zeigen. Mit der verbliebenen Kraft stocken immer wieder die Töne. Das Publikum feiert ihn verständnisvoll. Ungebrochen in Kraft und Darstellung brillieren die Damen. Ekaterina Gubanova überrollt Wotan mit ihrem Anspruch als seine Gemahlin. Bitter. ernst und unabdingbar setzt sie ihre Forderungen eingerahmt von einer klaren aber nicht scharfen Stimme durch. Anja Kampe ist eine ebenso kämpferische Sieglinde mit gesanglicher Strahlkraft, die sie in den hohen Registern mutig einsetzt ohne zu dramatisch zu werden. Gegenüber ihr muss sich Ain Anger als Hunding behaupten. Elegant ist sein Bass und satte Völle bringt er ein, vermittelt aber wenig giftig Böses. Der Beginn des dritten Aktes rührt wieder die Gemüter im Zuschauerraum. Das lange Minuten dauernde Gestampfe der Walkürenrösser ist unverändert nicht jedermanns Geschmack, passt aber in diese Inszenierung. Einmal abgestiegen schmettern die Walküren ihre bekannten Rufe, lassen aber Durchschlagskraft vermissen. Nur Nina Stemme überzeugt als streitbare Brünhilde, Wotans Lieblingskind. Facettenreich zeigt sie ihr menschliches und götterhaftes Erbe. Sicher und fest, ohne übermässigen Druck meistert sie die hohen Anforderungen der Rolle.

Alles im Griff hat wiederum Kirill Petrenko am Pult. Gefühlvoll und souverän geleitet er Wotan über alle Klippen, entlockt dem Orchester Pianissimi mit spielerischer Leichtigkeit ohne Genauigkeit und Akzente zu verlieren. Befreit setzt er auf einen kraftvollen lautstarken Walkürenritt, vielleicht um auch die Gemüter im Publikum zu beruhigen. Romantisch und gefühlvoll ausladend versetzt er dem Dialog Brünhilde Wotan im dritten Akt eine berührende Direktheit, die in einer seligen Umarmung musikalisch als auch szenisch gipfelt. Ein zarter Feuerring umgibt die geliebte Tochter, eine lodernde Feuersbrunst wird auf die Bühnenwand projiziert und im Orchestergraben stochert und schürt der GMD das Feuer in jeder Instrumentengruppe an.

Wiederum lang anhaltender Applaus und Bravi vom begeisterten Publikum.

Helmut Pitsch

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