Walküre in der Münchner Residenz - würdiges Walhall für ein paar Stunden

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Das BR Symphonieorchester hat unter der Leitung von Sir Simon Rattle an zwei Abenden diese Woche zu einer konzertanten Aufführung Walküre geladen. Schnell waren die Tickets vergriffen, ist ja in dieser Saison kein Ring in der Wagnerstadt München zu hören bzw zu sehen. Immerhin wurde das Werk 1870 am Nationaltheater sozusagen ums Eck in München uraufgeführt. So freut man sich umso mehr auf die konzertante Aufführung mit erstklassiger Besetzung, zumal auch die Akustik im Herkulessaal passt. Konzertante Opernaufführungen entledigen sich der oft problematischen Regiediskussion und legen die Konzentration auf das Hörerlebnis.

Allen voran stellt das Symphonieorchester des bayerische. Rundfunks seine Qualität auch als Opernorchester unter Beweis. Nicht von ungefähr gehört es seit Jahren zu den weltweit best gelisteten Orchestern und gerade unter dem derzeitigen künstlerischen Leiter Mariss Jansons hat sie diese Spitzenposition weiter ausgebaut. In grosser Besetzung glänzen alle Instrumentengruppen und die Vielzahl der jungen Musiker lässt einen deutlichen Generationswechsel erkennen. Sir Simon Rattle führt das Orchester sehr vertraut wie bestens eingespielt. Seine zurückhaltende Zeichensprache scheint bestens verstanden zu sein und so dirigiert er den grossen Klangkörper mühelos durch alle Lautstärken und Tempi. Naturstimmungen, Gefühlswallungen und Konflikte sind fühlbar hörbar und das Ohr wird zu einem optischen Führer. Den Sängern lässt er nicht nur auf dem Podium neben sich Platz. Wie weitere Instrumente sind sie im Orchester integriert und von ihm angesprochen. Für die Walküren holt er sich noch Verstärkung und lässt vom Rand eine Co Dirigenten die Einsätze sicherstellen. Es passt alles zum Wagnerschen Gesamtkunstwerk zusammen. Die Kulisse des Herkulessaal mit seinen wundervollen Wandteppichen könnte auch Wotans Walhall sein.

Der Australier Stuart Skelton wird schon längst als lyrischer Heldentenor an vielen europäischen Bühnen gehandelt und strotzt mit Mannes- und Stimmkraft. Nunmehr überzeugt er neben seiner Stimmgewalt auch in seiner Wortdeutlichkeit. Sein Wälseruf und das Schlussbild des ersten Aktes gemeinsam mit Eva Maria Westbroek als Sieglinde lassen den Saal mit klanglicher Wärme ausfüllen. Die Sopranistin gestaltet ihre Interpretation mit viel Gefühl und stimmlicher Ausgewogenheit. Die anspruchsvollen Lagenwechsel meistert sie mühelos und zieht gehaltvoll ihre Melodielinie. Eric Halfvarson besticht immer noch mit seinem korporellen Bass, den er klar intoniert als Hunding einsetzt. Der junge britische Bass Bariton James Rutherford ist für den erkrankten Michael Volle eingesprungen und nutzt die Möglichkeit sich dem Münchner Publikum als wohlfeiler Ersatz zu präsentieren. Auch er verfügt über eine mächtige Bühnenpräsenz ganz im Stile Wagners, die er aber auch in stimmlicher Hinsicht bestätigt. Sein Wotan ist kämpferisch, ungemein präsent und herrschaftlich. Bis zur Schlusszene zeigen sich keine Ermüdungserscheinungen. Mit seiner klaren deutlichen Aussprache und seinem warm eingebetteten Bassbariton füllt er die Rolle des Gottvaters der seine Macht schwinden sieht gut aus. So luchst ihm die klug und selbstbewusst agierende Fricka in der Person der schlanken eleganten Elisabeth Kulman überzeugend echt den gewünschten Eid ab oder die von Vaterliebe überschäumende Brünhilde die rettende Feuersbrunst. Auch Götter sind nur Menschen? Irene Theorin hat die Titelpartie übernommen, die erste unter den Walküren, die geliebte Tochter Brünhilde, die wie kein anderer die Sinne Wotans kennt. Auch im konzertanten Outfit strahlt die tapfere Heldin. Ihre Freudenrufe schallen gleich zu Beginn ihres Auftritts aufrüttelnd durch den Saal. Jetzt weiss sicher jeder, dass sie da ist. Und so geht es stimmlich gut in Form weiter und klar in der Aussprache, sicher in allen Lagen. Sie beherrscht Dramatik und Lyrik und schafft die notwendige Intimität zu Siegmund oder zu ihrem Vater. Ihre Schwestern streiten in durchwegs bester Besetzung mit.

Viel Begeisterung im Publikum, kräftiger Applaus und standing ovation inbegriffen.

Dr. Helmut Pitsch

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