Turandot in München - ein Fest für die Augen - musikalisch durchwachsen

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Giacomo Puccini Turandot Opernfestspieke München

Turandot in München - ein Fest für die Augen - musikalisch durchwachsen

Über dem Schaffensprozess zu seiner Oper Turandot verstarb Giacomo Puccini an einer Kehlkopfkrebsbehandlung in Brüssel. Die Geschichte der chinesischen Prinzessin, die sich gegen eine Ehe mit drei Rätseln stemmt und doch von einem Mann erorbert wird, erfreut sich grosser Beliebtheit beim Publikum.

Aufgrund der zahlreichen Massenszenen wird die Oper auch gerne als Open Air Spektakel aufgeführt. Aber auch auf einer Opernhausbühne kann dies ein echtes Spektakel werden. So geschehen in der aufwendigen Inszenierung von Carlus Pedrissa aus 2011 an der Bayerischen Staatsoper. Das Mitglied der katalanischen Regietruppe La Fura dels Baus zaubert ein buntes lebendiges Treiben auf dem Platz vor den mystischen chinesischen Kaiserpalast. Schlittschuhläuferinnen, Breakdancer, Akrobaten von oben, es gibt viel zu beobachten. Dazu wird der bestens vorbereitete Chor, sowie alle Mitwirkende von Chu Uroz in edle, farbige Kostüme gesteckt.

Mit Videos von Franc Aleu und der Lichtregie von Urs Schönebaum werden weitere Effekte wirkungsvoll, 3D inklusive, erzielt. Zur intimeren Szene der drei Hofminister - harmonisch und solide gesungen von Vitor Bispo Ping, Tansel Akzeybek Pang und Samuel Stopford Pong - übersät ein Meer aus weißen Totenköpfen die Bühne und setzt sich in Videos mit 3D Effekten fort. Liu stirbt in einem Metallkorsett, das von Bambusstäben scheinbar in die Höhe gehoben wird. Pretty Yende zeigt als treu ergebene Sklavin und in den Helden verliebt, ihre Wandlungsfähigkeit und eine gefühlvoll inspirierte Arie.

In der Titelrolle tritt Sondra Radvanovsky sehr präsent und lebendig im Spiel auf. Ihre Stimme zeigt Brüchigkeit und einen harten metallenen Klang, den sie mitunter dramaturgisch einsetzt, aber nicht wirklich gefällg klingt. Yonghoon Lee besitzt eine kräftige Stimme in den höheren Lagen, die er mit viel Einsatz und Lautstärke strahlen lässt. In Piani und tieferen Lagen ist weniger von ihm zu vernehmen. So kann seine Darbietung der wohl berühmtesten Arie des Calaf „nessun dorma“ nicht überzeugen.

Mit Kevin Conners als Altoun und Christian Van Horn als Timur überzeugen zwei Routiniers im Ensemble.

Andrea Battistoni treibt am Pult das Bayerische Staatsorchester zu einem voluminösen Klang in ausgeprägter Lautstärke an. Dies gibt dem Bühnengeschehen noch eine musikalisch unterfütterte Kraft. Seine ausgebreiteten Arme scheinen das Orchester umarmen zu wollen und fordern zu weiteren Dezibel. Ebenso wird der Chor der Bayerischen Staatsoper zu einer im Forte angeheizten Leistung ermuntert, die beeindruckend erbracht wird. Für die Sänger fährt er den Orchesterklang zurück, begleitet mit nur wenig lyrischem Unterbau. So überwiegt schwere Dramatik, die Rätselszene versetzt nicht in Spannung.

Es bleibt insgesamt ein musikalisch durchwachsener Abend, den das Publikum im ausverkauften Haus mit kurzen höflichen Applaus belohnt.

Dr. Helmut Pitsch

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