Stimmungs- und ausdrucksvoll La Traviata im Stream aus London

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Elegantes Ambiente aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, wallende Kleider, feiner Tweed für die Herren, so traditionell und realistisch mit einem gewissen victorianischen Touch gestalter Richard Eyre seine Interpretation der tragischen Liebes- und Lebensgeschichte von Violetta Valery, einer die vom Weg abgekommen ist. Nüchtern und arm in den Gesten bleibt das Rollenspiel auf der Bühne. Die ausschweifende Feier im ersten Akt bleibt steif, im Landhaus sind die Bilder schon eingepackt oder noch nicht aufgehängt. Es schaut eher nach Einzug aus in dem großzügigen Anwesen. Diesmal ohne Garten und es findet keine zärtliche Verabschiedung von Vater Germont statt. Wahrhaft anrüchig finden wir uns im zweiten Akt in einem vornehmen Spielsalon klischeehaft in rötliches Licht und Rauchschwaden getaucht wieder. Bäuerlich wenig animierend wirkt die spanische Einlage. Bescheiden erwartet die Todkranke im einfachen Metallrahmenbett die Rückkehr ihres Geliebten. Wenig Mobiliar ist ihr geblieben. Durch die geschlossenen Fensterläden dringt etwas Sonnenlicht in den Raum.

Selten zu hören gibt es die Amerikanerin Renee Fleming auf europäischen Bühnen. So hört man hier als Titelheldin ihren ausgeprägt weichen vollmundigen Sopran, der sich sicher in den Höhen bewegt und sich breit und wohlig voll in der Mittellage öffnet. Ihr schauspielerisches Talent bringt sie mit viel Rollenverständnis ein. Ihre letzten zarten Momente, ihr Tod in den Armen des Geliebten berühren. Gross und stattlich erringt Joseph Calleja ihre Gunst in gewohnt sperrigen Spiel. Dafür schwelgt sein kräftiger wohltimbrierter tiefsitzender Tenor in den wunderbaren Melodien Giuseppe Verdis. Thomas Hampson wurde bereits in vielen Häusern für seins Darstellung des Vater Germont gefeiert und zeigt sich auch in dieser Aufnahme in bester Form. Berückend trägt er seine Last vor und bleibt unerbittlich in seiner Bitte an die Geliebte seines Sohnes. Ebenso klar massregelt er seinen aufgebrachten Sohn.

Immer überzeugend die musikalische und szenische Gestaltung des Chores, der in grosser Besetzung den Zauber von gesellschaftlichen Feiern erwirkt. Seine italienische Heimat lässt Antonio Pappano, künstlerischer Leiter des Royal Opera House Covent Garden in sein Dirigat einfließen. Er ermuntert die Streicher zu breiten romantischen Klängen, mit zackigen Strichen lässt er Dramatik aufkommen und das gesamte Orchester durchaus lautstark aufspielen, den Sängern nimmt er aber keinen Raum.

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