Spritzig, logisch echt die Regie und sängerisch bestens gestalteter Don Giovanni in Glyndebourne

Xl_dongiovanni_glynde © Monika Rittershaus

Wolfgang Amadeus Mozart Don Giovanni Glyndebourne Opera Festival 6.6.2023

Spritzig. logisch echt die Regie und sängerisch bestens gestalteter Don Giovanni in Glyndebourne

Ein feiner Schuppen ist das Hotel, in dem Mariame Clement und ihre Bühnebildnerin Julia Hansen Don Giovanni in der diesjährigen Neuproduktion in Glyndebourne sein Unwesen treiben lassen, und genauso elegant und etwas überdreht sind seine Mitspieler und Kontrahenten in den Kostümen. Wir sind im Foyer eines dieser feinen Hotels im viktorianischen Stil, sehen die Treppenaufgänge und Flure mit den Zimmertüren. Jeder Mitwirkende hat sein Zimmer, auch Donna Anna, die zu Beginn im lila Seidenmorgenmantel aus ihrem stürmt, um Don Giovanni im Smoking mit Maske aufzuhalten. Ihr Vater wird von selbem auf der letzen Treppenstufe niedergestreckt. Hotelgäste beobachten die Spurensicherung der Polizei. Zerlina feiert grell in Pink mit ihren quickenden Freundinnen ihren Singleabschied mit Tüll und Paillettenstiefeln, ebenso Massetto im türkisen Glitzersakko und Hirschgeweih. Lediglich Leporello bleibt bieder britisch im Burberry mit Brille. Es ist mächtig Betrieb in der Lobby, es wird treppauf und treppab gefeiert und geflirtet.Nach der Pause steht nur mehr das Treppenhaus, nach hinten öffnet sich der Blick auf die Bühne. Glühbirnen lassen die Konstruktion erkennen. Wenig spektakulär wird der Wüstling in die Hölle gejagt.

Evan Rogister eröffnet vielversprechend mit einer munter gehaltenen Ouvertüre und führt solide das Orchestra of the Age of Enlightment durch den Abend und hält gut den Spannungsbogen bis zum Schluss. Mitunter wäre mehr Ausdruck und Akzentuierung unterstützend für das erstklassige junge Sängerensemble gewesen.

Andrey Zhilikhovsky markiert einen verführerischen lässig coolen modernen Frauenheld. Mit überzeugender Männlichkeit und Selbstbewusstsein wickelt er die Frauen um den Finger. Sein Aussehen und die satt eingebettete Stimme helfen dem sympathischen Moldavier sehr. Mit Inbrunst kann er betören, weich und auch piano singen. Mikhail Timoshenko ist da ein gut gespielter Gegenpol als Leporello, der auch witzig sein will und kann. Leider bleibt seine markige Registerarie farblos und im Potenzial nicht genutzt. Mit starker Bühnenpräsenz verleiht Venera Gimadieva ihrer Donna Anna hohe Aufmerksamkeit. Mit ihrer charaktervollen dunklen Sopranstimme gewinnen ihre Arien eine gefühlsbetonte Aussage. Mit Bravour singt und spielt Ruzan Mantashyan eine bestimmende, gefühlsgeleitete Donna Elvira. Ihr Zorn verflüchtet sich leicht, manisch folgt sie dem angebetetem betrügerischen Unhold, um ihm gleich wieder zu verfallen. Oleksiy Palchikov lässt seinen gut disponierten lyrischen Tenor in den Arien des Don Ottavio zum wahren Ohrenschmaus werden. Mit viel Gespür und bester Gesangstechnik führt er die Melodien weich und rund, zieht weite Bögen, die Melancholie und Emotionen ausströmen. Herrlich frisch und kokett erreicht Victoria Randem viel Zuspruch und Beifall für ihre Zerlina, die sich wohl dem Macho Don Giovanni entziehen kann und ihrem Massetto die Leviten liest. Stimmlich sicher mit einer strahlenden Höhe gewinnt ihre Interpretation viel Anziehungskraft. Ebenso überzeugt Michael Mofidian mit seinem unbeholfenen ehrlichen Massetto, dessen Gefühlswelt er stimmlich fassettenreich zum Ausdruck bringt. Jerzy Butryn fehlt als Commendatore die dunkle mystische Durchschlagskraft, liefert aber eine solide Leistung.

Ein besonders kurzweiliger mitreißender Abend durch die großartige Leistung der jungen Sänger und Sängerinnen wird vom Publikum begeistert gefeiert.

Dr. Helmut Pitsch

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