© Teatro alka Scaka
Giuseppe Verdi Nabucodonosor Teatro alla Scala Mailand 26.5.2026 Premiere 16.5.2026
Scala - Trotz säumigem Star hohe musikalische Qualtät im üppiger Neuinszenierung von Nabucco
Nabucco wird allgemein die als politischste Oper vom Giuseppe Verdi angesehen. 1848 zementierte dessen Uraufführung den Ruhm des jungen Komponisten und auch sein politisches Engagement für das Risorgimento und die folgende Unabhängigkeit seiner Heimat Italien. Das italienische Volk fühlte seine Verbundenheit mit den unterdrückten Hebräern, selbst vin den Gabsburgern unterjocht. Der berühmte Chor Va pensiero mutierte zum Freiheitsruf und neuen Identiität Italiens.
Der Regisseur der Neuinszenierung von Verdis gefeierter Jugendoper Alessandro Talevi verortet den Freiheitskampf sowie den Machtanspruch Abigailles als weibliche Führerin zu zentralen Aussagen. Der aus Südafrika stammende Künstler mit italienischen Wurzeln zählt zur Zeit zu den gefragtesten Nachwuchsregisseuren und feiert mit dieser Arbeit seinen Einstand an dem renommierten Mailänder Opernhaus. Im sehr aussagekräftigen Bühnenbild von Gary McCann (Bühne und Kostüme) erhält der Tempel der Juden Symbolkraft. Eine große Scheibe, an die Decke des römischen Pantheon erinnernd, schwebt über der Bühne, zuerst dem Verfall preisgeheben strahlt sie zunehmend mit der nahenden Befreiung des jüdischen Volkes. Ergänzt mit Videos und einer ausgeklügelten Lichtregie von Marco Giusti enstehen dreidimensionale Räume.
Einheitlich in grau mit Umhängen sammeln sich immer wieder die Hebräer, die herrschenden Babylonier in üppigen schwarzen Uniformen mit Stickereien, die königliche Familie und der Hof hebt sich in kräftigen Farben und edlem Zwirn ab. Vielfältig sind die Regieeinfälle von Talevi. Insbesondere sticht zu Beginn des 3. Aktes die Einlage eines Divertimentos, einer Ballettmusik, die Verdi 1848 für eine Opernaufführung in Brüssel verfasst hat. Die Choreographie hinterlegt eine pastorale Szene am Hof Semiramides, der antiken Herrscherin in Babylon und Vorbild Abigailles, die auch selbst ihre Rolle übernimmt.- Danilo Rubeco Choreogeafie Ein Hingucker ist das Erscheinen Nabuccos mit großem Streitwagen von drei stürmischen Pferden gezogen, die mit ausgetüftelter Mechanik Kopf und Beine bewegen. Ebenso imponiert der sich nach oben verjüngende Tempel Baals, der sich aus dem Boden nach oben schraubt.
Es wird nicht langweilig mit den Gimmicks zur Verdeutlichung des Geschehens und vielen Aufmärschen des gewaltig präsenten Chores. Von Alberto Malazzi wiederum bestens vorbereitet, spielt und erklingt der Chor des Teatro alla Scala als wichtiger Proganist. Die Chorszenen verdeutlichen die Gefühlswelt und gehören zu den Perlen seines Genres.
Der musikalische Leiter des Hauses Riccardo Chailly nutzt diese auch um Dramatik und Spannung aufzubauen, unterstützt von mächtigen Orchesterklängen. Er verleiht dem Abend die richtige Portion Italianita mit schmetterndem Blech, breiten Streicherklang und kräftigem Schlagzeug. Die eingängigen Melodien lässt er anschwellen und fließen, unterstützt die Sänger gut abgestimmt im Volumen.
Womit wir bei dem wohlfeilen Sängerensembles dieser wichtigen Neuinszenierung des führenden italienischen Opernhauses wären. Luca Salsi ist als Nabucco weltweit gefragt und gefeiert und brilliert auch hier mit einer überzeugenden Darstellung. Seine Gefühlswelten, intim als leidender Vater oder als mächtiger Herrscher, seinen einsetzenden Wahnsinn wiecauch seine Reue, alles bringt er mit feinen Nuancen. Seine kräftige gut geführte Stimme schmeichelt in langgezogenen Legati, wo am Ende immer noch Reserven verbleiben. Francesco Meli liefert einen sehr soliden Ismaele, der heldenhaft zu seinem Volk und der von ihm verehrten Fenena steht. Veronica Simeoni verleiht Fenena, der wahren Tochter des Titelhelden gekonnt viel Präsenz. Mit geschirenem Haupt und üppiger Kleidung sticht sie auch äusserlich hervor. Marta Torbidani hat die undankbare Aufgabe den säumigen Star des Abends Anna Netrebko zu ersetzen. Die Ansage zu Beginn des Abends durch den Indentanten Fortunato Ortombina löste zahlreiche Buhs und lautstarkes Missfallen aus. Die Zweitbesetzung bleibt aber souverän und spielt selbstbewusst mit erkennbarer Freude die machthungrige Tochter, die am Ende reumütig sich selbst im Feuertod opfert. Mit deutlichem Vibrato in den Höhen, einseitiger Tiefe ist ihre stimmliche Leistung hinter den Kollegen zurück. Mit Michele Pertusi als streitbaren Zaccaria ist der Führer der Juden bestens besetzt.
Viel Beifall und zufriedene Zustimmung im ausverkaften Haus. Anfängliche Enttäuschung scheint verflogen
Dr. Helmut Pitsch
28. Mai 2026 | Drucken
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