© Wolfgang Lienbacher Mozartwoche
Wiener Philharmoniker Mozartwoche Salzburg 28.1.2026
Wiener Philharmoniker und Robin Ticciati feiern Mozart famos
Locker tänzelnd mit dichtem Lockenkopf kommt Robin Ticciati unternehmungslustig zum Podium und geht ohne Umschweife ans Werk. Und die Wiener Philharmoniker, das renommiertte Spitzenorchester, ist sofort konzentriert dabei. Begonnen wird mit der Ouvertüre zur Oper Alceste von Christoph Willibald Gluck, dem Reformer oder Schöpfer der modernen Oper und Wegbereiter der Klassik. Ungekünstelt sind die Gesten des jungen Dirigenten. Er verzichtet auf den strengen Dirigierstab und fordert mit Fingerzeig feinste Abstufungen von Volumen und Lautstärke. Seine Piani haben Ausdruckskraft und Präsenz und werden zum Markenzeichen des Abends. Nicht pompös mächtig, subtil und farbenreich ist die unbekümmerte Frische des Engländers.
Bestens zeigt sich dies in einem intensiven Zusammenspiel mit Daniel Ottensamer als Solisten des folgenden Klarinettenkonzertes A Dur KV 622 von Wolfgang Amadeus Mozart. Oft gehört, wird dieses Stück zu einem tiefst empfundenen nuancenreichem neuen Hörerlebnis. Höchste Präzision mit spielerischer Eleganz zeigt Ottensamer, seinerseits erster Klarinettist der Wiener Philharmoniker. Mit seinen Kollegen im Orchester ist es ein ebenbürtiges Zusammenspiel, kein vornehmes Begleiten. Ticciati geht auf den Solisten ein, führt ihm die Orchesterstimmen zu und übernimmt vollendet die einzelnen Motive. Mit einer technisch raffinierten Zugabe mit jazzigen Elementen zeigt der Solist noch die Vielfalt seines Instrumentes.
Nach der Pause erklingen der selten aufgeführte Liederzyklus Les nuits d‘ete op 7 von Hector Berlioz. Zu den Gedichten von Theophile Gautier hat Berlioz eine emotional geladene Vertonung geschaffen. Man vermutet biografische Verbindungen von Berlioz mit der melodramatischen Musik, seine abkühlenden Gefühle zu seiner Gattin wiederspiegelnd. Die Mezzosopranistin Magdalena Kozena kann dies in ihrer famosen Interpretation gut umsetzen. Auch hier wieder bannen feinste Piani wie in der Luft schwebend.
In der Symphonie Es Dur KV 543 von Wolfgang Amadeus Mozart ist die Harmonie und künstlerische Symbiose von Dirigent und Orchester nochmals ausgefeilt spürbar. Freude und Symphatie im Zusammenspiel kommen in einer lustvollen spritzigen immer wieder neu den Gedanken aufnehmenden Ausführung zum Ausdruck. Jede Stimme bekommt Gehör. Filigrane Transperenz und englischer Humor fließen ein, natürlich wirkt der Fluss, das Tempo ist ruhig und besonnen. Diese grandiose Darbietung ehrt und würdigt den großen Musiker der heuer 270 Jahre jung ist.
Großer Jubel im ausverkauften Festspielhaus
Dr. Helmut Pitsch
29. Januar 2026 | Drucken
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