Rigoletto rührt und berührt wieder in Bregenz

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Giuseppe Verdi Rigoletto Bregenzer Festspiele

Er darf wieder lachen, mit großen Augen aufgeweckt das Geschehen verfolgen und die Zuschauer in seinen Bann ziehen. Der Hofnarr Rigoletto, Titelheld der gleichnamigen Oper von Giuseppe Verdi treibt auf der großen Seebühne der Bregenzer Festspiele vor ausverkauftem Haus sein Unwesen und erleidet am Ende ein tragisches Ende. Ab und an knirscht die ausgefeilte Technik, die sich hinter dem überdimensionierten Kopf und seinen beiden Händen auf der Bühne versteckt. Zwei Jahre schlummerte das Anlitz im Wasser des Bodensees. Nun wird wieder vor einer vollen Seebühne mit großer Freude gespielt. Die Nachfrage ist groß und nachdem auch die Maskenpflicht gefallen ist mutet der Besuch der Festspiele wie eine Rückkehr in die „alte“ Zeit und Normalität an.

Die Wiener Symphoniker, Hausorchester der Festspiele sitzen im großen Festspielhaus nebenan im Trockenen, die Akrobaten, Teil der Inszenierung von Philipp Stölzl tummeln sich bereits am Vorplatz und bereiten ihren Einzug auf die Bühne vor. Das Spiel kann beginnen und der Wettergott zeigt sich gnädig mit einem malerischen Abendrot von der besten Seite.

Mega Open Air Festivals, und da gehört Bregenz mit seinen 7000 Zuschauern sicher dazu, leben vom mitreissenden Spektakel und großen Gefühlen. Mit seinem treuherzigen Blick, seinen Kulleraugen, seinem verschmitzten Lächeln und der roten Nase erreicht der kahle Kopf die Herzen der Zuschauer. Auf seiner großen Halskrause als auch den Hemdsärmeln und auf der Handfläche wird gespielt. Die Show bekommt seinen Höhepunkt, wenn Gilda im Heißluftballon, der in der großen Hand gehalten wird weit gen Himmel schwebt und ihre große Arie über die Begegnung mit dem geliebten Studenten Gaultier Malde über die Köpfe der 7000 Gäste  trällert. Der ist eigentlich Herzog von Mantua, ein Weiberheld und Arbeitgeber ihres Vaters Rigoletto.  Am Ende liegt der Herzog todesmutig auf dem Kopf des Rigoletto todesmutig in luftiger Höhe.in der Hängematte und schmettert seine Arie. 

Trotz aller Effekte steht die Oper und die Musik im Zentrum. Die Qualität der Aufführungen und die gestalterische Umsetzung sind in Bregenz immer wieder auf höchstem Niveau. Julia Jones steht in dieser Saison am Pult des Orchesters. Ihr Zugang zu Giuseppe Verdi ist sehr ausgeglichen. Sie vermeidet markante Ausbrüche oder schwülstige Phrasierungen. Sie arbeitet an den Details und klaren Wiedergabe. Im Tempo bleibt sie fordernd. Sie behält trotz der räumlichen Distanz die Übersicht. Die ausgefeilte technische Verstärkung und Wiedergabe werden gelobt. An diesem Abend kommt es immer wieder zu Aussetzern, aber das gehört zum Live Erlebnis dazu.

Vladimir Stoyanov ist auch in der Wiederaufnahme ein überzeugender Rigoletto. Sein Bariton hat Kraft aber bleibt immer samten unterlegt im Timbre. Er kann aufbrausen, herausfordern, aber auch anmutig bitten. Seine Stimme zeigt sich flexibel und auch in der technischen Verstärkung unverzerrt.  Der Chinese Long Long hat einige Preise gewonnen und rasch in Europa Karriere gemacht. Sein Tenor hat auch einiges zu bieten, Kraft und sichere Höhen, Schmelz und Ausdruck. Dazu wirkt er mit seiner großen Statur. In seiner Arie „La donna e mobile“ bringt er die Vorzüge seiner Stimme zum Ausdruck. Ekaterina Sadovnikova läßt als Gilda keine Wünsche offen. Sie versteht es sich auf die technische Verstärkung zu verlassen und übersteuert nie die Lautstärke oder Ausdruckskraft der Stimme. Düster und geheimnisvoll wird Miklos Sebestyen als Sparafucile. Unterstützt von Katrin Wundsam als Maddalena verleihen sie dem letzten Bild viel Spannung. Jordan Shanahan hat einen beeindruckenden Bass und flucht recht laut als Graf von Monterone, geht aber an dieser Stelle im Trubel auf der Bühne unter.

Die Aufführung zündet, das Publikum applaudiert freudig und intensiv, das Konzept Bregenz funktioniert und erfüllt alle Erwartungen. Der mittlerweile zahnlose übergroße Antlitz Rigolettos ohne Augen und Nasen entläßt  die Besucher und rührt zu Mitleid.

Dr. Helmut Pitsch

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