Operette auf Hochglanz mit Charme und Pfiff am Gärtnerplatz

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Franz Lehar Graf von Luxemburg Gärtnerplatztheater 18.4.2026

Operette auf Hochglanz mit Charme und Pfiff am Gärtnerplatz

Zwei Hochstapler, zwei Künstler und zwei Vertreter des Hochadel, das ist der Mix an Liebespaaren, die den Handlungsablauf von Franz Lehars wohl lustigster Operette Der Graf von Luxemburg bestimmen. Das 1909 in kürzester Zeit komponierte und uraufgeführte Musiktheater wird in der Neuinszenierung von Peter Lund am Gärtnerplatz mächtig aufgefrischt mit witzigen modernen Texten, den Zeitgeschmack treffend.

Die Bühne ist von Jürgen Franz Kirner geschickt und ansprechend mit Elementen des Jugendstils und der Pariser Plakatkunst eines Toulouse Lautrec gestaltet. Die Drehbühne vereint drei Handlungsorte. Eine silbern strahlende geschwungene freistehende Treppe thront zentral, Elemente werden als Zugabteil, Hotellobby und Suite sowie das Etablissement Chat Noir eingeschoben. Der Pariser Flair als Handlungsort ist gut ins Bild gerückt. Aufwendig pfiffig und geschmackvoll sind ebenso die Kostüme von Daria Kornyshava.

Peter Lunds Personenregie, unterstützt vom Choreografen  Axel Frei, ist wohl durch- und ausgedacht, kurzweilig und schmissig. Die Personen sind pointiert gezeichnet, auch die Mitglieder des Chores und Tänzer sind bestens integriert. Die schwungvollen Melodien spiegeln sich in den Szenen auf der Bühne gut wieder.

Die stimmlichen Herausforderungen des oft unterschätzten Genre Operette sind hier erkennbar. Mit technischer Verstärkung wird ein satter Klang im Gesang und Redefluss erzeugt. Daniel Prohaska passt spielerisch als Feschak sehr gut in die Rolle des Rene, sympathisch mit einem guten Schuss Charme. Stimmlich kommt er an seine Grenzen in den Höhen und zeigt gegen Ende Ermüdung. Andreja Zidaric verinnerlicht überzeugend den Drang nach oben der jungen aufstrebenden selbstbewussten Angele Didier. Sie verbindet geschickt Feminismus und Weiblichkeit. Mit ihrer schlanken grossgewachsenen Erscheinung bringt sie hohe Bühnenpräsenz mit. Ihr Sopran ist gut gewappnet mit Höhe und Farbigkeit für eine brilliante Leistung. Peter Neustifter ist ein extravaganter Maler Armand, wahrhaft ein Bohemien mit sicherem Gesang und guter Gestik. Seine verehrte Juliette ist mit Sophia Keiler ebenso gut besetzt.

Die Komik des Abends liefert immer wieder Dagmar Hellberg als Gräfin Mathilde von Luxemburg, Die muntere Seniorin mit scharfer Schnauze liegt ihr natürlich wie auf den Leib geschneidert. Den jung gebliebenen liebestollen Fürst Basil Bassilowitsch mimt Erwin Windegger gekonnt ohne in die Parodie zu rutschen. Wieder ist der Chor mit viel Gespür und Engagement dabei und bringt die Pariser Gesellschaft flott und stimmlich präsent ein.

Am Pult hält Michael Brandstätter mit Bravour und Tempo zusammen ohne zu hetzen und lässt die Melodien und Walzerrythmen schwingen. Er bewegt sich an den Rand zim Musical ohne den Glanz der Operette zu verlassen.

Ein bedeistertes Publikum feiert den Abend mit herzlichem Beifall.

Dr. Helmut Pitsch

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