© Jochen Quast
Francis Poulenc Dialogues des Carmelites Semperoper Dresden 31.1.2026
Nun auch Dialogues des Carmelites erstmals in Dresden
Fast 70 Jahre nach seiner Uraufführung am 26.1.1957 an der Mailänder Scala erfolgt nun die Dresdner Erstaufführung der Oper Dialogues des Carmelites von Francis Poulenc. Das Werk zählt zu den bedeutendsten Opern des 20. Jahrhunderts und findet immer weitere Verbreitung auf den Spielplänen der Theater. Dresden übernimmt nun eine Produktion des Opernhauses Zürich.
Die Handlung beruht auf einer wahren Begebenheit vom 17.Juli 1794. An diesem Tag wurden 15 Karmeliterinnen in Compiegne wegen konterrevolutionären Versammlungen hingerichtet. Singend sind diese Nonnen für ihren Glauben und ihre Überzeugung zum Schafott geschritten. Gertrud von le Fort wurde hiervon zu einer Erzählung inspiriert. Sie schildert das Geschehen aus der Sicht der jungen Blanche, Tochter aus gutem Haus, die im Kloster ihrer Todesangst entgehen will. Der Text wurde Grundlage eines Theaterstücks und eines Films von Georges Bernano, dessen Drehbuch Vorlage der Oper wurde. Das Libretto verfasste Poulenc selbst.
Seine Vertonung ist vom Text getragen. Die Harmonien sind sehr an die französische Sprache gebunden. Die Musiksprache ist nicht dramatisch sondern spirituell deklamatorisch. Poulenc steht zwischen Tradition und Moderne und verlässt nur selten Harmonie und Tonalität, um Expressivität zu verstärken. Starre Rhythmik treibt die Handlung voran ohne zu hetzen. Die Tragödie wird nüchtern zu einer Demonstration der Demut und des Glaubens, der Angst und Verzweiflung übertrifft. Die zwölf Bilder der drei Akte sind dicht aneinandergereiht.
Dies setzt auch Jetske Mijnssen mit ihrem Team um. Ben Baur schafft einen nüchternen Einheitsraum mit hohen Wänden nach oben offen, der durch wenige Elemente schnell adaptiert werden kann. Die Kostüme von Gideon Davey entsprechen der Zeit des Geschehens. Die Personenregie ist klug ausgearbeitet. Das strenge Klosterleben lässt auch Heiterkeit und Menschlichkeit zu. Das schockierende Ende wird abstrahiert. Die zum Tode verurteilten Schwestern stehen aufgereiht im Raum, ihre Namen an den Wänden verewigt. Zu jedem Fall des Beils tritt eine Schwester ab. Dabei verwischt sie ihren Namen an der Wand.
Marie Jacquot begleitet das Geschehen aus dem Orchestergraben. Hochkonzentriert gibt sie den Musikern der Sächsischen Stastskapelle den Takt vor. Die Französin kennt den Sprachrhythmus ihrer Mutterspeache und führt so die Musik bestens zum Text zusammen. Pausen, Melodie der Aussprache, Akzente und Betonungen verinnerlicht sie in ihrem Dirigat. Emotionen bleiben kontrolliert, nüchtern in säkularer Tonsprache entwickelt sich die Handlung musikalisch. Angst und Glaube sind immer wieder Thema auf der Bühne. die musikalisch schlicht ausgedrückt werden.
Das Sänger*innen Ensemble ist zum Teil mit Mitgliedern des Hauses als auch des sächsischen Staatsopernchores besetzt. Helle Frauenstimmen dominieren, farbliche Schattierungen sind wenig ausgeprägt. Marjukka Tepponen ist Blanche, die vom verstörten adligen Mädchen zu einer vom Glauben aufgerichteten Schwester aufsteigt. Einfühlsam legt sie ihre weiche helle Sopranstimme in das Rollenbild. Gut artikuliert führt sie ihren Gesang der von wenig Melodien getragen ist. Rosalie Cid ist Schwester Constance, mit der sich Blanche anfreundet. Auch sie versteht facettenreich das Klosterleben und Emotionen darzustellen. Evelyn Herlitzius liefert als Priorin ein starkes Rollenbild. Von Krankheit gezeichnet verwickelt sie Blanche in ein heftiges Zwiegespräch über Angst und Glauben. Ihre Zuneigung hält sie in der Stimme bedeckt. Ihr Todeskampf und Tod ist eine beklemmend perfekte Charakterdarstellung. Julien Dreh gibt sein Hsusdebüt als Le Chevalier, dem Bruder von Blanche. Er zeigt sich fürsorglich und besorgt um das Heil seiner Schwester. Sein Besuch im Kloster und sein Bemühen, seine Schwester zu retten, ist eine weitere ausdrucksstarke Szene des Abends.
Das Premierenpublikum spendet lautstark Beifall und zeigt allen Beteiligten großen Zuspruch. Das Regieteam, Dirigentin und Sänger werden gefeiert.
Dr. Helmut Pitsch
02. Februar 2026 | Drucken
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