Nabucco im Stream aus Zürich viel Wohlklang bei mäßiger Regie

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Leer ist die Bühne. Eine froschgrüne Wand sowie ein grüner Bühnenboden dominieren farblich den Stream. Üppige Kostüme im victorianischen Stil in einheitlichem Grün für den Hof Abigailles widersprechen stilistisch den Kostümen der gefangenen Juden, die eher den 20iger Jahren anmuten. Nabucco in blauer Uniform des Herrführers. Bühne und Kostüme schuf Wolfgang Gussmann und Susana Mendoza. Der Hausherr Andreas Homoki zeichnet für die Regie verantwortlich und stützt sich auf wenige Einfälle. Zwei kleine Mädchen tauchen immer wieder in den höfischen grünen Kleidern auf und erinnern an das glückliche Familienleben Nabuccos und seiner zwei Töchter  ehemals. Das steckt jetzt in tiefem Konflikt. Die eheliche Tocher und rechtmäßige Thronerbin Fenena ist zu den gefangenen Juden übergelaufen und liebt den Königssohn Ismaele. Für die Ausgestaltung des dem Wahnsinn verfallenden Nabucco kommt wenig Überzeugendes von der Regie. Dafür umso mehr von Michael Volle, der mit weichen lyrischen Melodien und vollmundigen Legato Gefühl und Wärme bis zu echten Mitleid mit seinem perfekten Gesang hervorruft.

Das wohl berühmteste Stück Giuseppe Verdis aus der Oper Nabucco, der Gefangenchor va pensiero, muss der bestens einstudierte Chor auf dem Boden liegend anstimmen. Langsam erhebend wird die musikalisch gelungene Steigerung stumpf in der Regie umgesetzt. König und die machthungrige uneheliche Tochter Abigaille krümmen sich derweil unverständlich in der Bühnenmitte.

Viel Präsenz am Bildschirm erreicht Anna Smirnova als ungestüme kämpferische Abigaille. Mit Körperfülle und unvorteilhaftem Kleid und Frisur wirbelt sie in den Massenszenen in der Menge herum. Viel Dramatik legt sie auf die Stimme bis zur Übersteuerung. Dies hätte es aber im zarten sängerfreundlichen Dirigat von Fabio Luisi nicht gebraucht. Lyrisch italienisch feinsinnig kleidet hingegen Veronica Simeoni ihre Fenena stimmlich intelligent aus. Ihr Sopran zeigt in dieser Rolle hohe Flexibilität und Spannkraft mit sicheren Höhen.

Bestens passt hier Benjamin Bernheim als ihr geliebter Ismaele dazu, der wiederum mit seinem breiten wohl timbrierten Tenor brilliert. Er kann kraftvoll als auch bis zu intim liedhaft in allen Registern überzeugen. Georg Zeppenfeld glänzt als Zaccaria und rundet das exzellente Sängerensemble ab.

Fabio Luisi beherrscht das Geschehen in jedem Takt am Pult der Philharmonia Zürich. Chor und Orchester harmonieren und lassen sich zu einer sehr italienischen mitreissenden Interpretation hinreißen. Die verwirrende und unverständliche Regie ist vergessen.

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