© Barbara Pallfy
Wolfgang Amadeus Mozart Idomeneo Tiroler Landestheater 22.2.2026
Mozart modern und gut bebildert auf hohem musikalischen Niveau in Innsbruck
Nun darf in Innsbruck auch wieder ein Mann Regie in einer Neuinszenierung führen, nachdem mehrere Regisseurinnen mit ihren Arbeiten nicht überzeugen konnten. Der Brite Henry Mason, der in Österreich lebt kann mit seinem Team in der Gestaltung dieses klassisch griechischen Stoffes der Oper Idomeneo von Wolfgang Amadeus Mozert überzeugen, unterhalten und mitreißen.
Am Ende des trojanischen Krieges tritt Idomeneo, der König von Kreta, in Konflikt mit dem Meeresgott Neptun. Von diesem aus Seenot gerettet, schwört Idomeneo ein Opfer zu bringen. Auf Befehl des Gottes soll dies die erste Person sein, der der König begegnet. Das tragische Schicksal bestimmt, daß dies sein Sohn Idamante ist.Eine versuchte List erzürnt den Gott erneut. Aber die opera seria darf trotzdem mit einem Happy end enden.
Mason setzt dies mit vielen Ideen und Mitteln um ohne zu überborden. Geschickt gestaltet Jan Meier die Bühne mit wenigen aber ausdruckskräftigen Requisiten wie einem zerborstenen Klavier als Schiff des strandenden Idomeneo oder ein buntes Blumenarrangement als Ruhesitz für Ilja. Effekt- und stimmungsvoll sind Projektionen und Videos von Sven Stratmann auf die Bühnenhinterwand vom bewegten Meer oder zerbombten Städten.
Intensiv ist die Personenregie zumal den handelnden Personen weitere stumme Begleiter gegeben werden. So erleben wir deren alter ego als Kinder mitsamt der gesamten Familie von Elettra oder Ilia. Viel Augenmerk legt der Regisseur auch auf die Einbindung des Chores, der dadurch noch stärker zur Geltung kommt. Bestens stimmlich vorbereitet steht er so mit Gewicht für die Handlung.
Geschmackvoll und ansprechend bunt sind die Kostüme ebenso von Jan Meier, die einen breiten zeitlichen Horizont von griechischer Klassik zum Ist abdecken.
Musikalisch gestaltet die Aufführung energiegeladen aber mit Bedacht und Zurückhaltung Gerrit Prießnitz, auch der musikalische Leiter des Tiroler Landestheater. Das Tiroler Symphonieorchester zeigt unter seiner Führung einen leichten Mozart, der in Schwung bleibt, farbenreich die Gefühlswelt der Protagonisten auskleidet und auch mächtig aufdrehen kann, wenn es um das bedrohliche Ungeheuer geht. Flott aber nicht gehetzt hält Prießnitz das Geschehen am Laufen und einen Spannungsbogen.
Exquisit und harmonisch geschlossen ist die Leistung des jungen Sängerensembles. Dovlet Nurgeldiyev überzeugt als hadernder verzweifelter Idomeneo, dessen Vaterliebe herausgefordert wird. Der deutsch turkmenische Tenor zeichnet sich durch eine lyrische, sehr gut zu führende Stimme aus. Seine Höhen klingen klar und sicher. Seinen heldenhaften Sohn mimt Camilla Lehmaier. Sie füllt die Hosenrolle mit viel Gespür und Charme aus. Ihre Gesangstechnik ist ausgezeichnet und gut wortverständlich in den Rezitativen. Hoheitsvoll, stolz und menschlich kommt Anastasia Lerman als Ilia zur Geltung. Ihre Sopran stellt sich gut auf die Gefühle ein, fasettenreich kann sie in Erscheinung treten. Ihr steht eine energiegeladene Elettra von Susanne Langbein als Nebenbuhlerin um die Liebe Idamantes gegenüber. Sie sprüht Vitalität aus und bringt humorvolle Einlagen. Ihre kräftige und wandlungsfähige Stimme erfreut in ihrer dramatischen Schlussarie.
Den Abend führt wortlos Oliver Sailer als schicksalshafter Gott Neptun in ordengeschwellter Uniform mit Maske. Seiner Rolle verleiht er Gewicht und seine tiefe vollmundige Stimme tritt kurz in Erscheinung. Jason Lee als Abrace und Oberpriester rundet das stimmige Ensemble ab.
Großer Zuspruch und stehende Ovationen im ausverkauften Haus.
Dr. Helmut Pitsch
23. Februar 2026 | Drucken
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