Marie Antoinette - Regieduo Strunk/Schrenk reüssieren auch in Salzburg mit Zweig reloaded

Xl_ssh_marieantoinette_c_erikamayer_e.kanettisch.tzatzaraki-1 © Erika Mayer

Marie Antoinette nach Stefan Zweig Schauspielhaus Salzburg 29.4.2026

Marie Antoinette - Regieduo Strunk/Schrenk reüssieren auch in Salzburg mit Zweig reloaded

Nils Strunk und Lukas Schrenk haben beide in Berlin Schauspiel studiert. Mit gemeinsamen Regiearbeiten wie "Die Schachnovelle" nach Stefan Zweig, "Zauberflöte" nach Wolfgang Amadeus Mozart - beide für das Wiener Burgtheater oder "Mephisto" nach Johann Wolfgang von Goethe haben sie große Erfolge gefeiert und ihre schmissigen rasanten Aufführungen haben durchaus Kultstatus erreicht.

Ihre neueste Schöpfung feierte unlängst am Salzburger Schauspielhaus seine erfolgreiche vielbeachtete Uraufführung. Wieder widmeten sich die Beiden mit Marie Antoinette einer literarischen Vorlage von Stefan Zweig. Dessen elegante ausschweifende Sprache hat es den Beiden angetan. Um das volumige Werk von über 500 Seiten als musikalisches Schauspiel auf die Bühne zu bringen, haben sie das Regieteam um Klara Wördemann als Dramaturgin ergänzt.

Wieder ist die Umsetzungen von Verwandlungen geprägt. Fünf von sechs Schauspielern müssen in 85 Rollen und Kostüme schlüpfen. Nur Elisabeth Kanettis als die Darstellerin der historischen Titelheldin, die in ihrer Person es gilt wieder hervorzuheben, hat nur eine Rolle -die auch den über drei Stunden dauernden Abend ständig auf der Bühne ist.

Zweig erzählt in seinem Roman die Biographie der jüngsten Tochter von Kaiserin Maria Theresia, die mit 14 Jahren aus politischen Motiven mit dem französischem Thronfolger und späterem König Ludwig XVI verheiratet wird. Ihr verschwenderisches Leben, ihre Eh-e und Liebesgeschichten sowie ihr Ende 1793 mit der Gouillotine sind Stoff für verschiedene Erzählungen und Mythen geworden.

Mit großer Kreativität schafft das Regieteam diese detaillierte umfangreiche Lebensgeschichte packend lebendig zu großem Theater zu verdichten. Geschickt bauen sie Erzähltexte neben Dialogen ein, um die Handlung voranzutreiben und viel Hintergrundwissen und Geschehen zu vermitteln. Zwei Zeitebenen fließen mühelos zusammen. Das Jetzt mit Touristen, die das Leben Marie Antoinette humorvoll an ihren Wirkungsstätten aufstöbern und ihre wahre Lebenszeit.

All dies passiert in einem Zimmer von Schloß Schönbrunn mit ein paar stilechten Möbeln, einem Paravant und einem Guckkasten hinter einer Wand, die ab und an geöffnet wird - Bühne Max Lindner.

Lara Regula und Anna Buffetrille bilden die pompöse Mode des Rokoko samt Turmperücke am Versailler Hof, sowie am Schönbrunner Schloss ab. Auch ihre Einfälle für die Zeichnung verschiedener Charaktere im Ist und von Wegbegleitern der jungen Königin sind treffend.

Von den Schauspielern wird mitreißendes Spiel geboten. Elisabeth Kanettis ist in ihrer Jugendlichkeit eine ideale Besetzung vom Kindesalter bis zur gereiften und geläuterten Königin. Da sitzt ein störrisches Kind am Boden, lernt die höfische Etikette und Französisch, biedert sich ihrem tölpelhaften Gatten an, tauscht Langeweile mit Mutterfreuden, alles in kurzer Reihenfolge und authentisch. Charmant stellt sie sich den höfischen Intrigen und kostet die wenigen Freiheits- und Glücksmomente in diesem schicksalshaften Leben aus.

Daneben wechseln Elisabeth Nelhiebel, Christina Tzatzaraki, Fabian Cabak, Theo Helm und Alex Kapl ständig ihre Rollen und Kostüme. Dabei verändern sie auch überzeugend jeweils den Charakter, Mimik und Ausdruck. So entsteht ein großes Ganzes und als Zuschauer ist man gebannt ob der Perfektion in der das gelingt.

Ein weiteres Kennzeichen der Arbeiten von Nils Strunk ist seine Musik, die er für die Untermalung und Auflockerung komponiert. Hier ist ein Mix entstanden aus Barock und Rokoko, Christoph Wilibald Gluck war immerhin Lehrer von Marie Antoinette, und Chansons als moderne Sprechgesänge.

Das Publikum wird von Anfang an in den Bann und das Geschehen hinein gezogen. Eine Art von Moderator lockert zu Beginn humoristisch die Stimmung mit ein oaar Fragen an dss Publikum, leitet aber dabei bewusst in die Handlung hinein. Die Aufmerksamkeit geht nicht verloren, der Spannungsfaden entspinnt sich über den Abend eam Ende große Begeisterung und Anerkennung für die Mitwirkenden.

Dr. Helmut Pitsch

 

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