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Mailand/Scala: “Turandot”
NI am 29. April 2026 (Dernière)
Sehenswerte Interpretation von Puccinis letztem Werk!
Zur Feier des 100-Jahre-Jubiläums der „Turandot“, dem letzten Werk des großen Giacomo Puccini, über dessen Komposition er bekanntlich verstarb, brachte die Scala di Milano in einer äußerst beeindruckenden Regie von Davide Livermore eine sehr interessante und zeitweise mitreißende Neuinszenierung heraus.
In Bühnenbildern, die er unter phantasievoller Ausschöpfung des gesamten großen Bühnenraums der Scala in Zusammenarbeit mit Eleonora Peronetti und Paolo Gepcucco schuf, entfaltete sich ein Geschehen, das nicht nur im alten China verhaftet ist, sondern - insbesondere im 1. Akt - auch Aspekte und die Ästhetik des heutigen China offenbart. In diesem Spagat zwischen Alt und Neu, mit einem auch viel engagierteren Kaiser Altoum, der sich intensiv auf der Bühne bewegt, liegt die Stärke dieser Inszenierung. Da sieht man ein Bordell im 1. Stock eines heruntergekommenen Hauses am Straßenrand mit einer verlockenden, nonchalant Zigarette rauchenden Dame auf dem Balkon. Unten balgt sich das Volk angesichts der bevorstehenden Tötung des Prinzen von Persien, der mit allerhand tänzerisch-akrobatischen Einlagen von Haiyang Guo gespielt wird. Oben kommt eine riesige, mit Blütenblättern überhäufte Brücke herunter, in der Turandot ihren lange Schlaf schläft - bis sich wieder eien neuer Freier meldet. Calaf schlägt dreimal ganz klassisch den aus dem Bühnenboden herunterkommenden Gong…
Die Kostüme von Mariana Fracasso waren alles andere als ein solcher. Sie fanden sich in vollständiger Harmonie mit dem Bühnenbild sowie der Dramaturgie - also in der jeweiligen Zeit der Interpretation. Auch das Licht von Antonio Castro trug wie einige Videos von D-WOK zur hohen Qualität der Produktion bei.
Der von Alberto Malazzi einstudierte außerordentlich große Coro del Teatro alla Scala wurde zu einem zentralen Element des Abends. Man sang kraftvoll und sehr engagiert und perfekt choreographiert.
Anna Pirozzi war eine souveräne Turandot mit dramatischem Aplomb und Angelo Villari ein klangvoller und intensiver Calaf. Riccardo Zanellato sang einen würdevollen Timur mit großem Bass. Selene Zanetti begeisterte einmal mehr mit einer Liu von Weltklasse. Man konnte sie - stets mit Bewunderung - schon des Öfteren in dieser Rolle hören. Biagio Pizzuti als Ping, Paolo Antongnetti als Pang und Francesco Pittari als Pong waren überaus aktive Kommentierer des Geschehens und überzeugten auch vokal. Alberto Petricca war ein ausdrucksstarker Mandarin im modernen Straßenanzug mit Hut.
Nicola Luisotti dirigierte das Orchestra del Teatro alla Scala mit viel Verve und klarer Herausarbeitung der dramatischen Momente sowie der vielen Chor-Tableaus. Diese waren stets Höhepunkte. Es war ein großer Abend an der legendären Scala di Milano - an der die „Turandot“ ja am 25. April 1926 ihre Uraufführung erlebte. Man konnte solche Abende zuletzt, zumal bei Richard Wagners traumhafter Neuinszenierung des „Ring des Nibelungen“, immer wieder erleben. Die Scale ist eben ein ganz großes Operntheater, was es aber immer schon war.
Dr. Klaus Billand
01. Juni 2026 | Drucken
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