© Monika Rittershaus
Wolfgang Amadeus Mozart Cosi fan tutte Salzburger Festspiele 13.8.2026
Liebe im Laborbetrieb - Cosi fan tutte in Salzburg
Im Ausnahmezustand der Folgen der Coronaepedemie gelang es den Salzburger Festspielen trotz zahlreicher Auflagen 2020 ihr 100 jähriges Jubiläum mit einem eingeschränkten Programm zu feiern und erhielt dafür international hohe Anerkennung. Die Inszenierung einer verkürzten Fassung von Wolfgang Amadeus Mozarts Oper Cosi fan tutte wurde als großer Erfolg gefeiert. Dem kreativen Team Christof Loy und Joana Mallwitz wurde nun der Auftrag erzteilt, ihre Arbeit zu vervollständigen.
Unverändert spielt der ganze Abend vor einer weissen Wand mit zwei Türen. Die Nüchternheit wird noch durch die farblosen Kostüme in schwarz weiss verstärkt. Dorabella wirkt im schwarzen Zweiteiler wie eine nüchterne Businessfrau, Fiordiligi im schwarzen Kleid auf dem Sprung zum Cocktail. Die Herren in schwarzen Anzügen, die quirlige Kammerzofe Despina kokett in schwarzen Einteiler mit weißer Schürze und Haube.
Die Schule der Liebenden- wie der Untertitel der Oper lautet- verwandelt sich in eine sterile Laborumgebung, um Gefühlswelten und gesellschaftliche Rollenbilder zu analysieren. Nur die bunte Verkleidung der beiden Freunde Ferrando und Guglielmo bringt Farbe ins Spiel. Dieses Spiel ist die Wette um die Treue der beiden geliebten Schwestern, die der Intrigant Don Alfonso lostritt. Das Spiel wird Ernst und differenzierter. Der Glaube an die Treue und Liebe erschüttert und am Ende stehen beide Geschlechter vor einem Scherbenhaufen, dessen Aufarbeitung im rasch ablaufenden Finale von Mozart geschickt umgangen wird.
So wird von Christof Loy die Psyche, die innere Gedankenwelt nicht nur der verführten Schwestern sondern insbesondere der Männer, den beiden Freunde und Geliebten herausgearbeitet. Deren Konflikt ist als Verursacher der Intrige noch schmerzhafter, da sie in ihrem eigenen Glauben und männlichem Stolz erschüttert werden. So wird der Abend wie eine Personenaufstellung, die zu unangenehmen Erkenntnissen führt und von den Protagonisten mit viel Spielfreude umgesetzt wird.
Gesanglich wurde das Ensemble gut in stimmlicher Farbe und Charakter abgestimmt. Elsa Dreisig ist eine jugendlich ernsthafte Fiordiligi. Ihr dunkel getönter Sopran hat auch in der Tiefe an Wärme gewonnen. Mit viel Gefühl gestaltet sie ihre Arien, zeigt die Flexibilität ihrer Stimme und lebt ihre innere Zerrissenheit und lässt sich schwer erobern. Victoria Karkacheva ist ihre Schwester Dorabella. Sie bleibt hölzern und nüchtern im Spiel, auch gesanglich fehlen Nuancen im Ausdruck. Andre Schuen drückt seinem Guglielmo seine persönliche Note passend auf. Mit seinen langen Haaren und coolen Habitus ist er ein Draufgänger, bleibt aber auch sehr verletzlich. Seinen Bariton führt er technisch gekonnt leicht in den Melodien, wechselt locker in Zornausbrüche, die ohne Druck energisch werden. Bogdan Volkov bringt mit seinem reinen lyrischen Tenor feinen Mozartcharakter ein. Vielschichtig ist sein Gesang, im Spiel erreicht er jugendlich schüchternen Charme mit Humor .
Mit viel Spielwitz und hoher Verwandlungsfähigleit zieht Lea Desandre alle Register und die Aufmerksamkeit auf sich. Souverän springt sie in die Rolle des Arztes oder Notars. Johannes Martin Kränzle ist ein verlebter Gentleman mit Spieltrieb und Lust auf Abenteuer jeder Art. Seinen Don Alfonso gestaltet er mehr mit Schauspiel denn Gesang.
Joana Mallwitz versteht Mozart als feinfühlig konstruiert. Sie versucht viele Gefühlsfarben aus den bestens aufspielenden Wiener Philharmonikern herauszulocken. Ihr Tempo ist gut gewählt, der Klang bleibt fließend, akzentuiert mit manch lieblichen Verzierungen. Nach der Pause verflachen sich die Nuancen und der Detailtrieb.
Großer Jubel im ausverkauften Festspielhaus.
Dr. Helmut Pitsch
14. August 2026 | Drucken
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