Jonas Kaufmann in Athen -  Virus verdirbt dem Star die Laune aber nicht dem Publikum

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National Opera Greece Liederabend Jonas Kaufmann 13.9.2021

Virus verdirbt dem Star die Laune aber nicht dem Publikum

Es war eine ungeplante Einlage am Ende des ausverkauften Konzertes des deutschen Startenors in dem pittoresken Ambiente des antiken Theaters, dem Odeon des Herodes Atticus unter dem Sternenhimmel von Athen. Jonas Kaufmann fordert die begeisterten Zuhörer zur Ruhe auf. Gerade ist der letzte Ton der Bravourarie Nessun Dorma verklungen. Mit den Händen formt er ein Sprachrohr und erklärt die akustischen Probleme, die durch die griechischen Abstandsregeln auf Grund von Corona entstanden sind. Die Orchestermusiker der griechischen Nationaloper sitzen mit großem Abstand. So musste ein Podium in das Halbrund des Theaters aufgebaut werden und der Solist vor dem Orchester plaziert werden, damit ihn dieses hören kann. Dies ist aber nicht der beste akustische Platz in einem der ältesten Theater der Welt. Er fordert das Publikum auf, ihm für einen Beweis zu folgen. Er stellt sich in die Mitte der eigentlichen Bühne und schmettert das berühmte „Vincero“ nochmals glasklar und fest, bestens hörbar ohne Orchesterbegleitung. Der Unterschied ist frapant und erklärt die vernommenen bzw vermuteten leichten Schwächen des vorangehenden Abends.

Viel Orchester war zu hören mit einem "Best of" unter der zurückhaltenden, wenig spektakulären Führung von Jochen Rieder. Die Overtüre von Vincenzo Bellinis Norma, die Carmen Suite von Georges Bizet, das Intermezzo aus Cavalleria Rusticana von Pietro Mascagni oder die Overtüre zu Macht des Schicksals von Giuseppe Verdi. Trotz suboptimaler Bedingungen kam der sympathische Publukmsliebling langsam aber sicher in Stimme und nahm Fahrt auf. Auch eine Liebeserklärung aus dem Publikum auf Deutsch „wir lieben Dich“ tat das Selbige. So berührte er mit den Liebesbeteuerungen des Don Jose aus Carmen oder des Radames aus Aida, dem Abschied des Turridu und weiteren Schmankerln. In vier Zugaben riss er das Publikum wahrhaft von den 32 Reihen des gewaltigen Theaters, das 5000 Leute fassen kann, aber auch nur eingeschränkt besetzt werden konnte. Aufwühlend betörend lässt er die Sterne in der Arie des Cavaradossi aus Tosca „e lucevan le stelle“ leuchten oder mit „Dein ist mein ganzes Herz“ von Franz Lehar Frauenherzen schmelzen. Mit neapolitansichen Voksliedern bleibt der Opernabend in perfekter romantischer Abendstimmung unvergesslich.

Im Jahre 161 n. Chr. schenkte Herodes Atticus das nach ihm benannte Theater den Athener auch als Liebeserklärung an seine Gattin. Am Fuße der Akropolis gelegen gilt es als das größte und älteste Odeon, ehemals auch als eines der größten überdachten Gebäude der Antike. Noch heute bestichte die einmalige Kulisse mit seiner gepriesenen aber wie vernommen diffizilen Akustik für Konzerte und Schauspiel.

Dr. Helmut Pitsch

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