© Winfried Hösl
Giuseppe Verdi Il Trovatore Bayerische Staatsoper 26.4.2026
Il Trovatore - Starbesetzung frischt ermüdende Inszenierung in München auf.
Mit zahlreichen Einfällen und einer großen Bühnenmenagerie (Bühne Pierre Andre Waltz) lieferte der Regisseur Olivier Py eine durchdringende für den Betrachter anstrengende Interpretation von Giuseppe Verdis Dramma lirico Il Trovatore. Die Zigeunerwelt sind Industriebauten mit großen Rädern, Lokomotiven und Holztürmem. Es wird viel gedreht und verschoben, viele Nebenhandlungen begleiten den Abend. Die Vorgeschichte um den Raub des Kindes des Grafen Luna und das Schicksal der als Hexe angeklagten und verbrannten Mutter von Azucena werden zum zentralen Gedanken und tauchen als Personen immer wieder begleitend auf. Leonore ist blind mit dunkler Brille und wird von Personen ganz in schwarz geführt. Nur ihre Liebe zu Manrico macht sie sehend. Schwarz und dunkle Töne dominieren, mit immer wieder funktionieren grell ausgeleuchtete Guckkästen als Handlungsorte - Licht Bertrand Killy
Die aktuelle Wiederaufnahme sticht mit einer internationalen Starbesetzung hervor. Allen voran begeistert Piotr Bezcala als Titelheld. Er führt seinen samtenen geschmeidigen Tenor bravourös mit weiten Melodiebögen, energisch gelingt die fordernde Stretta mit sicheren Spitzentönen. Sympathisch etwas hölzern wirkt sein Spiel in diesem Regiekarusell. Ihm zur Seite gefällt Rachel Willis Sorensen, auch wenn nicht wirklich strahlend leicht ihre Stimme erklingt, mancherorts werden die Höhen dramatisch. Hier als Blinde wird ihre Rolle statistisch.
Rache steckt in Artur Rucinskis Bild vom Grafen Luna, der getrieben im Schicksal seiner Familie verwurzelt ist. Mit dieser Rolle schaffte er bei den Salzburger Festspielen den Sprung in die internationale Karriere. Mystisch dunkel ist dieser Widersacher, startsinnig und in den Emotionen getrieben. Ruzinskis Bariton ist farbig, nuanciert und verfügt über gute Fülle.
Judit Kutasi ist eine ebenso von Rache für die Mutter getriebene Azucena. Hier eine elegante Zigeneurin, die auch herrschaftlich auftritt. Stimmlich hat sie die nötigen Farben für die Schattierungen von liebender Mutter bis zur verhängnisvollen Mörderin.
Auch die Nebenrollen sind mit Alexander Köpeczi als Ferrando, Granit Musliu als Ruiz und Elene Gvritishvili als Ines bestens besetzt.
Der Chor der Bayerische Staatsoper tritt wieder bestens vorbereitet in Erscheinung und zeigt harmonisch einheitlich klar im Ausdruck.
Mit Andrea Battistoni steht ein Routinier und Kenner der Werke Verdis am Pult. Er treibt das Orchester an zu einem zündenden Aufspielen, das kriegerische Geschehen spiegelt sich musikalisch wieder und dringt durch. Ebenso gelingen lyrische romantische Momente, besonders im Finale kommen Emotionen zum Leben.
Große Begeisterung mit stehenden Ovationen.
Dr. Helmut Pitsch
27. April 2026 | Drucken

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