Glanz ohne zu funkeln Tosca zur Saisoneröffnung in Mailand

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Alle Jahre wieder eröffnet die Mailänder Scala am 7. Dezember, dem Feiertag des Stadtheiligen San Ambrogio seine neue Spielsaison mit großen Getöse. Gross ist auch das internationale Interesse an diesem kulturellen Höhepunkt und gesellschaftlichen Ereignis zugleich. Zum ersten Mal fiel die Wahl auf Giacomo Puccinis vielgespielte Oper Tosca für die Eröffnung mit erlesener Starbesetzung. Der in Italien vielbeschäftige Davide Livermore baut in seiner Neuinszenierung auf viel Bewegung. Ständig dreht sich die von Gio Forma gestaltete Bühne, welche imposant die Spielorte im barocke Rom nahezu originalgetreu entstehen lässt. Unzählige Statisten marschieren, rennen oder schleichen oft ziellos wirkend als Soldaten, Häscher des Despoten Scarpia, Dienerinnen oder Kirchendiener hin und her und lenken das wachsame Auge des Betrachters ab. Das viel zitierte Gemälde im ersten Akt schwebt immer wieder durch die Kirche und wechselt dabei zwischen Farbe und schwarz weiss. Dreht sich die Bühne nicht wird sie gehoben und im Untergeschoß weitergespielt, wo sich Angelotti versteckt oder Mario Cavaradossi gefoltert wird. Auch die Engelsburg dreht sich und verliert durch eine Videoinstallation von D Wok seine Flügel. Wozu auch immer. Da schafft es nur die vielgepriesene und gross angekündigte Anna Netrebko, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, ohne gross ihr schauspielerisches Talent aufzufahren. Auf abgedunkelter Bühne singt sie im Spotlight makellos und ergreifend ihre grosse Arie „vissi d arte“. Farben- und nuancenreich gestaltet sie jeden Ton, jeden Melodiebogen, dehnt Legati und markiert Fermate. Aber dabei bleibt es als Höhepunkt des Abends. Unter einem getragenen Tempo und Lautstärke als dramatisches Gestaltungsmittel einsetzenden Dirigat von Hausherrn Riccardo Chailly kommt keine berührende Stimmung auf und die Sänger werden gefordert. Francesco Meli wirkt oft am Anschlag, seine Sterne leuchten aber der Funke dieses Mario springt nicht über. Sein Tenor erreicht alle Höhen und schmettert sicher die Vitoria Rufe, aber mit wenig Schmelz und cantilener Leichtigkeit bleibt sein Rollenbild einseitig. Düster und böse ist der gefürchtete Statthalter Roms Scarpia in der Zeichnung von Luca Salsi, aber im Spiel statisch. Tosca sticht mächtig zu und der Mord verfolgt sie im Bild einer Doppelgängerin. Am Ende steigt die Doppelgängerin aus den Fluten des Tiber gen Himmel auf. Ob das so vom Komponisten gedacht war bleibt dahingestellt. Das Publikum bedankt sich ausgiebig bei seinen Lieblingen.

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