Gärtnerplatztheater Tosca in Düsternis und Nebel

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Gärtnerplatztheater Tosca in Düsternis und Nebel

Rom in den Wirren der napoleonischen Kriegen. Die Revolutionstruppen und das Heer der neapolitanischen Königin Maria Carolina kämpfen um die Macht in Rom und des Papstes. In diese Schreckenszeit, geprägt von brutalen Statthaltern der Fronten siedelt der Dramatiker Victorien Sardou sein Historien Drama Tosca an. Der gefeierte Schriftsteller willigt zögerlich in die Vertonung seines Werkes durch den jungen Puccini ein. Der ist Feuer und Flamme für die Arbeit, nachdem er Sarah Bernhardt in der Rolle der femme fatale erlebt hat. Aber der Start will ihm nicht gelingen und so bekommt vom Verlagshaus Ricordi Franchetti den Auftrag der Komposition, den dieser aber zurückgibt und letztendlich Puccini das Werk 1900 in Rom zur Uraufführung bringt. Der Erfolg ist und bleibt groß.

Nun liefert auch das Gärtnerplatz Theater in München eine Neuinszenierung dieser ausserordentlich beliebten Geschichte über die begehrenswerte und starke Frau, der Sängerin Tosca, die Mario liebt und Scarpia begehrt. Der Streit der beiden Männer endet in der Hinrichtung des einen und der rächerischen Ermordung des anderen durch Tosca, die zwischen beiden steht und eigentlich nur für die Kunst lebt. Ein Stoff der Romantik für Romantiker.

Dieser Romantik verschliesst sich der Regisseur Stefano Poda. Im dunkelsten nüchternsten Gemäuer geistern die Protagonisten in schwarzen Kostümen und nicht immer nachvollziehbaren Posen. Da macht ein Messner Liegestütze vor dem Antlitz Gottes. Im Kirchen Innenraum liegt ein rieisiges Kreuz herum, um und unter das die Sänger immer wieder herum gehen oder kriechen. Aber es ist besser nicht zu viel Augenmerk auf die holprige düstere Inszenierung zu legen zumal dem Generalmusikdirektor des Hauses Anthony Bramall eine wohl durchdachte musikalische Interpretation gelingt. Schwulstigkeit schränkt er ein, triffende Melodien gättet er und setzt suf Rhythmik, Dramatik und abgestimmtes Volumen, sodass die Sänger nicht allzu oft vom Orchester übertönt werden.

Oksana Sekerina ist ein Verführerin in ihrem langen roten Mantel und offener Löwenmähne, welche Laszivität vermittelt, die im Spiel aber nicht durchkommt. Dafür stimmlich sehr präsent, sicher in den Höhen, ihre dunkle Färbung steigert sich in der mittleren und tieferen Lage. Nuanciert pointiert erzählt sie ihr Schicksal in ihrer berühmten Arie "Vissi d'arte". Leider hält uns die Regie den Sprung von der Engelsburg vor und der Zuschauer wird mit einer Nebelschwade vertröstet.

Artem Golubevs Tenor schafft es nicht das Haus gegen das Orchester auszufüllen. Durchtrainiert darf er immer wieder seinen Oberkörper zeigen, mehr Einfälle lässt ihm die Regie nicht zu. Dafür kann Noel Bouley mit kräftiger Aber auch weicher voller Stimme und handfestem Spiel als Scarpia überzeugen. Timos Sirlantzis bleibt ein edler im dunklen agierender Angelotti und Levante Pall ein sportlicher renintenter Messner, der nicht allzu viel Freude mit dem Maler in der Kirche hat.

Viel Applaus vom erfreulich jungen Publikum. Die dunkle monochrom und monotone Regie kommt an.

 

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