Exotisch und doch so vertraut, ein besonderes Opernerlebnis in Tiflis

Xl_2ab34046-0bb7-4cc2-950e-39ca03aee689 © Helmut Pitsch

 Zakaria Paliashvili Abesalom und Eteri Staatliches Sacharia Paliaschwili Theater fpr Oper und Ballett Tiflis 23.9.2022

Exotisch und doch so vertraut, ein besonderes Opernerlebnis in Tiflis

Georgien, das Land südlich am Kaukasus gelegen, steht für eine ausgeprägte abendländische christliche Kultur und Tradition. Auch klassische Musik hat hier eine festen Platz im Gesellschaftsleben. Immer wieder bringt das kleine Land Künstler von internationalen Format hervor. Ein Grund mehr, dort als Musikliebhaber auf Entdeckung zu gehen.

1896 wurde das prachtvolle große Opernhaus nach italienischem Vorbild neu eröffnet, zudem von einem deutschen Architekt Victor Schröter geplant. Der Vorgängerbau fiel einem Brand 1874 zum Opfer. Der großzügige zweifarbige Bau ist eine gelungene Mischung von östlicher, arabischer und europäischer Architektur, aufwendigem Mobilar über vier Ränge, Königsloge und Lustern.

Zur Eröffnung der jährlichen Spielsaison im September wird seit einigen Jahren die erste auf georgisch komponierte Oper, eine Vertonung des heimatlichen Epos über die tragische Liebe des Prinzen Abesalom zur schönen Ereti, gegeben. Der Komponist Zakaria Paliashvili (1871-1933) war auch Dirigent, Organist und lehrte am Konservatorium in Tiflis. 1919 erfolgte die glorreiche Uraufführung. Musikalisch werden viele Anleihen in der georgischen Volksmusik genommen, in den großen beeindruckend dargebrachten Chorszenen erkennt der Zuhörer die traditionellen im Land seit über tausend Jahren gepflegten polyphenen Gesänge wieder, ein Weltkulturerbe des Landes. Auch die sagenumwobenen schwebenden Tänzerinnen kann der Betrachter staunend erleben. So wird der Abend ein lohnender,lehrreich  unterhaltsamer, musikalisch hochwertiger kultureller Streifzug.

Die unglückliche Ereti fleht vor Stiefmutter und Familie. Dabei trifft die Schönheit auf den jagenden Prinzen Abesalom mit seinem Diener Murman. Beide erfasst sofort die Liebe. Schnell heiratet der Prinz seine Angebetene, diese vergiftet der eifersüchtige Murman mit einem Hochzeitsgeschenk. Die schwer Erkrankte wird dem Bösewicht anvertraut, die sich in dessen Obhut durch dessen Gegengift schnell erholt. Vor Leid und Sehnsucht stirbt der Prinz, am Totenbett kehrt Ereti zurück, verzeiht dessen Trennung und nimmt sich vor Kummer das Leben. Murman erkennt seine Missetat und stirbt ebenfalls.

Statisch an der Rampe wird in farbenfrohen, glänzenden, an die zahlreichen Fresken und Ikonen erinnerden Kostüme gesungen. In der Titelrolle zeigt Teimuraz Gugushvili als Abesalom schon deutliche Abnutzung und Schwächen seiner einstmals vollen und wohl timbrierten Tenorstimme. Katuna Tchokhonelidze erfreut mit einem wohlgeformten kräftigen Sopran, der auch nuanciert gestalten kann. Kräftig mächtig wirkt der Bass von Nikoloz Lagvilava als Murman.

Unvergesslich bleiben die wuchtigen ehrfürchtig singenden Choristen, die ein klares Dokument des im Land überall gepflegten Gesanges geben. David Mukeria hat im Graben alles im Griff. Das Orchester zeigt einen vollen Streicherklang. Markige Fermati und Pausen tun ein übriges an Spannung.

Das Publikum ist aufmerksam dabei, nur wenig wird mit den Handys gespielt. Es feiert die glanzvolle Eröffnung der 171 Saison herzlichst mit viel Beifall. Der Stolz auf die Heimat und der Respekt und die Wertschätzung des Erlebnis Oper ist hier noch auf jedem Zentimeter zu spüren. Ein Gesellschaftsereignis wird mit Gebühr gefeiert. Für die ausländischen Besucher gibt es englische Übertitel, viel zu hören und zu sehen. Nur zu empfehlen.

Dr. Helmut Pitsch

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