© Stephan Rabold
Giuseppe Verdi Un Ballo in Maschera Festtage Staatsoper unter den Linden 1.4.2026
Auch Anna Netrebko kann unglücklichen Regie Mißgriff nicht retten
Leider kein Aprilscherz, sondern blanke Realität ist diese glücklose düstere Neuinszenierung von Giuseppe Verdis Melodramma Un Ballo in Maschera - ein Maskenball. Anlässlich der alljährlichen Festtage der Staatsoper Berlin wurde die Regie an Rafael R. Villalobos als Koproduktion mit dem Palau de les Artes Reina Sofia Valencia in Auftrag gegeben. Geprägt von vielen Ideen, die schon mehrfach anderweitig zu sehen waren, kommt diese Regie nicht in Bewegung. Der Einheitsbühnenraum über den Abend, eine Mischung aus zerstörten Betonbunker und ungeschmückten Palaisfestsaal lässt das Geschehen zerfallen. Zudem mehren sich die Einfälle zu den handelnden Personen, die dem Verständnis der Oper nicht hilfreich sind. Soll der Page Oscar nun die verkleidete Tochter von Amelia und Renato sein? Gibt es gar keinen Sohn? Vermutlich ein Gedanke, der aus der weiblichen Hosenrolle abgeleitet ist, aber in keinster Weise etwas zum Werk beiträgt. Ulrica wird zum billigen Fernsehstar, der darüber hinaus nicht selbst auftritt, sondern sich als stumme Doppelgängerin von einer Schwarzen vertreten lässt - ein Klischee zur Weissagerinnen und Voodoo Zauber. Dazu wird immer wieder zur Zigarette gegriffen, ein Schwulenballett muss auch noch her und das ausgeschlachtete Schrottauto wird auch wieder aufgefahren. Zielführender hätte sich Villalobos mit der Personenregie beschäftigen sollen, dann wäre vielleicht noch etwas Spannung entstanden.
So sind wieder einmal die Sänger gefordert, den Abend zu retten. Allen voran versucht dies Anna Netrebko als Amelia, die gegen ihre Liebe zum Grafen kämpft und treu zu ihrer Ehe steht. Sie legt viel schauspielerisches Talent in den gefühllosen leeren Raum, besticht wieder mit ihrer perfekten Technik, intoniert konzentriet sicher ihre Spitzentöne und bettet weich ihre Melodien in ihrer vollen Mittellage. Die Stimme von Charles Castronovo passt nicht wirklich zu dem Anforderungen der Rolle des Grafen Riccardo. Mit Kraft schiebt er sich in die Höhe, verliert dabei gestalterische Ausdruckskraft und bleibt zu laut. Am besten gelingen ihm die Duette mit Netrebko. Amartuvshin Enkhbat ist ein sicherer einfarbiger Renato, sowohl im Spiel als auch Gesang. Der Mongole verfügt über eine kräftige volle warme Naturstimme, die er nur wenig moduliert. Als rachesüchtiger gehörnter Ehemann kann er nicht trumpfen. Dafür gelingt Anna Kissjudit trotz verunglückter Auskleidung ihrer Rolle als Ulrica mit ihrer dunklen mystischen Stimme eine gelungene Darstellung.
Sehr routiniert und mit Verve bringt Enrique Mazzola mit der Staatskapelle Berlin eine lebendige und auch Gefühle aufbauende Interpretation zu stande. Er begleitet die Sänger mit Bedacht, auch im Tempo gut gewählt. Im Vorspiel - wieder einmal von der Regie mitinszeniert - und den Zwischenspielen lässt er romantische Symphonik zu.
Nur kurzer herzlicher Applaus im ausverkauften Haus, für die Starbesetzung ungewöhnlich wenig Feierlaune
Dr. Helmut Pitsch
06. April 2026 | Drucken
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