Ted Huffman Intendant der Festspiele Aix en Provence, derzeit bei den Tiroler Festspielen Erl

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Ted Huffman Intendant der Festspiele Aix en Provence, Regisseur und Dramaturg - derzeit bei den Tiroler Festspielen Erl als Regisseur für die Wiederaufnahme der Produktion „We are the lucky ones“, Musik von Philip Venables, Libretto von Ted Huffman und Nina Segal

Der 1977 in New York geborene Ted Huffman ist ein vielseitige bekannte Künstlerpersönlichkeit. Opera Online hatte die Gelegenheit mit ihm ein Gespräch im Rahmen der Probearbeiten zu führen.

OO: Sie sind eine vielschichtige Künstlerpersönlichkeit und arbeiten als Librettist (zBsp We are the lucky ones) und als Regisseur (über 40 Operninszenierungen). Was ist Ihr künstlerisches Fundament, wie beschreiben Sie sich selbst als Künstler?

TH: Ich komme von der Bühne, meine künstlerische Identität entstand durch die Darstellung auf der Bühne. Schon früh hatte ich die häufige Gelegenheit in New York ua in der Metropolitan Opera auf der Bühne zu stehen und zu singen. Das Leben im Theater zwischen dem 10. und 25. Lebensjahr haben mich geprägt. Ich sehe mich als Kommunikator zwischen der Bühne und dem Publikum. Als Vermittler meiner Begeisterung für die Bühne Es ist die Idee, anderen Menschen meine Vorstellungen zu kommunizieren, dabei aber kein Lehrer zu sein, sondern Fragen zu stellen, auch wenn ich keine Antwort weiß. Meine Arbeit ist nicht didaktisch. Mich inspirieren Themen, die ich verstehen will. Fragen zu stellen, die in unserer Verantwortung sind, wie unsere Zukunft. Wie auch in der aktuellen Arbeit zu „we are the lucky ones“. Die Gesellschaft hat gemeinsame Probleme, sich die Zukunft vorzustellen, Angst vor politischen Führungen, Unvermögen seine Angst zu artikulieren. Wir haben lange geglaubt, die Zukunft ist unendlich, fühlen nun Endlichkeit.

OO: Mit dem britischen Komponisten Philip Venables haben sie in den letzten Jahren zahlreiche Opern entwickelt und auf die großen Bühnen in Europa gebracht. Nun arbeiten Sie in Erl wieder zusammen. Kann man hier von einer modernen Künstlerpartnerschaft wie Richard Strauss und Hugo von Hoffmansthal sprechen ?

TH: Ich möchte hier nicht so weit greifen, denn ich verehre beide Künstler. Unsere enge Zusammenarbeit entstand aus einem privaten Kennenlernen und einer daraus folgenden Freundschaft. Diese ist bestimmt durch intensive kreative Gespräche. Uns treibt die Welt der Oper. Was kann Oper leisten, was hat Oper noch nicht getan, nicht erreicht ? Wie können wir Oper mehr mit unserem Leben verbinden ? Wie erzählen wir Geschichten Wie begegnen wir underen Freunden, wie kommunizieren wir heute? Erste gemeinsame Arbeiten erfolgten später, nach 5 Jahren.

OO: wie funktioniert die künstlerische Zusammenarbeit? Auch am Beispiel „We are the lucky ones“

„Ich, Huffman bin der Dramaturg mit viel Erfahrung in der Musik. Venables der Musiker mit viel Erfahrung im Drama und Theater. Unsere große gemeinsame Wissensbasis setzen wir in harmonische Sprache um.“

TH: Ich, Huffman bin der Dramaturg mit viel Erfahrung in der Musik. Venables der Musiker mit viel Erfahrung im Drama und Theater. Unsere große gemeinsame Wissensbasis setzen wir in harmonische Sprache um. Zwei Voraussetzungen waren wichtig für „we are the lucky ones“. Ein Team von erfahrenen Dramaturgen und eine breite geographisch weite Abdeckung. Europe besteht aus verschiedenen Sprachen, Geschichte und Kulturen. Wir haben einen Fragebogen entworfen, die Antworten aufgenommen und in ein Transkript eingearbeitet. Daraus ergaben sich gemeinsame Schwerpunkte wie Beruf oder Kinder. Wir im Team haben auch unsere Eltern interviewt.

OO: was waren besondere Herausforderungen oder wo gab es Schwierigkeiten?

TH: Herausforderung war den Fokus zu finden. Wie die richtigen Fragen zu stellen. Wir haben 2022 begonnen und in zwei Jahre war die gesamte Arbeit erledigt.

OO: Ist die Idee durch Corona beeinflusst?

TH: Die Idee ist während Covid entstanden. Jeder machte eigene Erfahrungen durch den Rückzug aus dem Alltag. Aus dem täglichen Leben heraus gingen wir zu den Eltern, führten intensiver Gespräche und haben unsere Beziehungen erneuert.

OO: Mit 1.1.2026 haben Sie die Intendanz der Festspiele Aix en Provence übernommen? Wieso? Was waren die Bewegründe?

TH: ich habe über die Jahre viele Arbeiten in Aix gemacht, wurde immer wieder eingeladen. Ich liebe das Arbeitsumfeld, die Athmosphäre, ein wundervoller Platz. Es ist schwer die richtigen Worte zu finden. Ich schätze die Nähe, die Gemeinschaft von Künstlern und Publikum. Das Festival ist innovativ. Jährlich werden 5-6 Opern gezeigt. Die Geist der Region ist südlich kameradschaftlich, fröhlich und großzügig. Ich wollte die Erfahrung, eine Gesellschaft, ein Unternehmen zu leiten. Aix gibt mir die Möglichkeit, ein langfristiges Projekt und eine künstlerische Inspiration umzusetzen.

„Oper ist immer heute, ob Repertoire oder zeitgenössische Musik, nicht wirklich ein Unterschied. Ich möchte keine Differenzierung zwischen Tradition und Regietheater machen , das ist zu akademisch. Oper war immer zeitgenössisch, es gab immer neue Ideen und neue Musik.“

OO: welchen Herausforderungen begegnen Sie?

TH: Budget, Finanzen. Es steht weniger Geld zur Verfügung. Künstlerisch: Wie Oper neu erfinden, Wie das Publikum überzeugen und gewinnen? Oper ist immer heute, ob Repertoire oder zeitgenössische Musik, nicht wirklich ein Unterschied. Ich möchte keine Differenzierung zwischen Tradition und Regietheater machen , das ist zu akademisch. Oper war immer zeitgenössisch, es gab immer neue Ideen und neue Musik. Wir sind vielleicht die dritte Generation, die hier eine Unterscheidung trifft zwischen Repertoire und zeitgenössischer Oper. Wir müssen das Publikum überzeugen, daß jede Oper modern, zeitgenössisch ist. Für heute komponiert wurde. Und so das Schisma Publikum - Künstler auflösen. Eine wichtige Frage für mich ist auch wie wir der Jugend gefallen.

OO: Sie haben diese Position von Pierre Audi übernommen?

TH: Ja, Audi war ein großer Lehrmeister. Ich komme von der physischen, körperlichen Theaterwelt mit dem Bezug zu den Darstellern. Audi ist mehr Konzeptkünstler, der spirituell baut und visuelle Kunst in der Raumgestaltung einbezieht. Ich ziehe Theater auf den Körper basiert vor.

OO: Sie waren Assistent von Bob Wilson, haben mit Pierre Audi gearbeitet, gibt es noch eine andere Person, die sie besonders beeinflusste?

TH: Ja definitiv Peter Brook. Die Lektüre seiner Bücher hatte großen Einfluss auf meine Eintwicklung.

Vielen Dank für das Gespräch!

Dr. Helmut Pitsch

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