Wunderbare Gesänge von Chen Reiss beim Lisztfestival in Raiding

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Eine klare und sichere Höhe, mit nur winzigen Schärfen, wunderbare Phrasierungen und eine weite und tiefe Gefühlspalette: Das sind einige der Vorzüge von Chen Reiss bei ihrem Liederabend beim frühsommerlichen Lisztfestival in Raiding, dem Geburtsort von Franz Liszt, wo man einen akustisch wunderbaren Konzertsaal hingebaut hatte. Einzig textverständlicher könnte die aus Israel stammende Sopranistin sein, die schone vielfach an der Wiener Staatoper zu erleben war. Aus dem reichen Programm gefielen besonders „Der Hirt auf dem Felsen“ von Franz Schubert und „Die Loreley“ sowie auch „Oh! Quand je dors“ beides von Franz Liszt, wobei besonders letzteres ungemein tiefgründig erklang. Zu hören waren aber auch noch einige weitere Stücke vom Genius Loci sowie zwei von den „Sechs Deutschen Lieder“ von Ludwig Spohr.

Piani aus dem Nichts, ein ungemein weicher, ja samtiger Ton zum Niederknien, das sind die Vorzüge von Daniel Ottensamer, der auch bei den Wiener Philharmonikern spielt, die er seiner Klarinette entlockte und auch bei den bearbeiteten Liedern immer wieder seinen Beitrag leistete. Besonders bei „Consolation Nr. 3 von Liszt, einer Bearbeitung für Klarinette und Klavier gefiel sein Ton extrem gut. Diese Bearbeitung stammt von Eduard Kutrowatz, einem der beiden Intendanten des Festivals. Er sorgte den ganzen Abend für die stets aufmerksame, einfühlsame und immer zurückhaltende Begleitung. Bei dem Nocturne Nr. 2 von Franz Liszt konnte er auch solistisch einmal mehr beweisen, welche pianistischen Fähigkeiten und welche immense Virtuosität über das Begleiten hinaus in ihm steckt. Ebenfalls in einer Bearbeitung muszierte man gemeinsam zu dritt auch noch „Wir genießen die himmlischen Freuden“, ein Lied aus des „Knaben Wunderhorn“, das Gustav Mahler für einen Satz für seine „Vierte“ Symphonie verwendet hat.

Viel Beifall kam vom begeisterten Auditorium, für den man sich mit dem „Wiegenlied“ von Ludwig Spohr und letztlich mit einem Lied von Frank Sinatra „Young at Heart“ sehr stillvoll bedankte.

Dr. Helmut Christian Mayer

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