Wiener Symphoniker mit Orozco-Estrada und Christiane Karg: Betörende sangliche Gemälde von Mahler und Strauss

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Es ist eine sanfte Liebeserklärung Gustav Mahlers an seine Frau Alma, ein kantabler Liebesbrief zwar ohne Wort, aber gegossen in wunderbare Töne. Große Popularität erlangte das Adagietto aus der 5. Symphonie durch Luchino Viscontis Film „Der Tod in Venedig“. Jetzt war es der erste Programmpunkt des 13. und vorläufig letzten Wohnzimmerkonzertes der Wiener Symphoniker, die in den letzten vier Monaten aus dem Wiener Konzerthaus gestreamt worden waren und sich größter Beliebtheit erfreuten.  

Und das Finale war natürlich Chefsache: Und so ließ es Andrés Orozco-Estrada mit den hoch motivierten Musikern des Streichorchesters und der Harfe, wofür es ja geschrieben ist, im leider wieder völlig leeren Konzerthaus mit meditativ verträumter Innigkeit und fein modellierten Tönen erklingen. Der aus Kolumbien stammende und seit der Saison 20/21 Chefdirigent des Wiener Paradeorchesters ließ sich bei diesem wohl bekanntesten Musikstück Mahlers viel Zeit und kostete die Phrasen und die zarten Nuancen voll aus. Mahlers Klangwelten, in Maiernigg am Wörthersee in Kärnten, dem südlichsten Bundesland von Österreich erdacht, beeindruckten auch mit warmen Klangvaleurs, durchgängiger Transparenz und seelenvollen, tiefsten Empfindungen.  

„O weiter, stiller Friede! So tief im Abendrot“: Von allen Orchesterliedern, die Richard Strauss in seinem langen Leben geschrieben hat, nehmen die “Vier letzten Lieder” nach Gedichten von Hermann Hesse und Joseph von Eichendorff, eine Sonderstellung ein. Sie erzählen mit „Frühling“, über „September“ und „Beim Schlafengehen“ bis zum unvergleichlichen „Im Abendrot“ von einer Lebensreise. Sie künden von Todesbereitschaft, Stille, Seelenruhe und viel Zärtlichkeit. Stilistisch den Jugendstil überwunden, kehrte der 84-jährige Meister auf die Einfachheit der melodischen Linie zurück und schuf Lieder in meisterlicher Vollendung und prachtvoller Schönheit. Sie wurden von der deutschen Sängerin Christiane Karg anfänglich vielleicht nicht immer ganz wortdeutlich aber mit wunderbarer Phrasierung, innigem Schöngesang und leuchtenden Höhen ihres hellen Soprans gesungen.Dazu ließ Orozco-Estrada von den Musikern ein raffiniertes, feines Tongemälde malen, mit einem vielschichtigen Farbenreichtum, mannigfaltigen, dynamischen Abstufungen und großer Klangpracht, wobei sich der Konzertmeister Anton Sorokow besonders mit seinen wunderbar musizierten Soli hervortat.

Einen interessanten Blick hinter die Kulissen und in die Werke selbst bot einmal mehr Moderator Axel Brüggemann mit seinen Gesprächspartnern, dem Dirigenten und der Sängerin.

Dr. Helmut Christian Mayer

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