Wien: Mahlers „Auferstehungssymphonie“ mit den Bamberger Symphonikern unter Jakub Hrůša: Innige und monumentale Töne

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Ungemein vibrierend war die Spannung gleich beim ersten Einsatz der Streicher und steigerte sich auch noch. Aber es gelang trotz großer und zupackender Gesten von Jakub Hrůša nicht immer, diese bei den Bamberger Symphonikern während der neunzig minütigen, kräfteraubenden Länge des Werkes ständig zu halten. Denn manchmal opferte der Chefdirigent des Orchesters (er hat diese Funktion seit September 2016 inne) diese zugunsten des momentanen Effektes und auch die teils von ihm breit gewählten Tempi wirkten spannungsmindernd. Trotzdem beeindruckte die 2. Symphonie, die sogenannte „Auferstehungssymphonie“ von Gustav Mahler, ein monumentales Werk, das das Menschheitsproblem von Tod und Auferstehung genial verarbeitet, im Wiener Konzerthaus: Wenn etwa weit, weit entfernt die Trompeten des Fernorchesters zum „großen Appell“ riefen. Wenn wie aus einer anderen Welt ein einsamer Vogelruf der Piccoloflöte herübertönte. Und wenn dann in vorerst gehauchtem, kaum hörbaren Misterioso der Chor vorerst a-cappella erstmalig die Klopstock-Ode „Aufersteh’n, ja aufersteh’n“ anstimmte. Und schließlich, wenn sich in unaufhaltsamer Steigerung die Musik zu abgehobenen, sphärischen Höhen und monumentalen Klängen ins mehrfache Fortissimo emporschwang: Eine der packendsten Stellen der gesamten Mahlerschen Symphonik, die niemanden kaltlassen kann. Blendend disponiert war das Orchester mit famosen Solisten in allen Instrumentengruppen.

Zum Erfolg trugen auch ganz besonders der äußert sensible, mit feinsten Pianissimi aber auch stimmgewaltig, homogen und intonationsrein agierende Wiener Singakademie (Einstudierung: Heinz Ferlesch) bei, wie auch die beiden Gesangssolistinnen Christina Landshamer und Anna Lucia Richter, deren Alt beim feierlichen Urlicht-Gesang (einem Gedicht aus des Knaben Wunderhorn) besonders warm und weich zur Geltung kam.

Das Publikum jubelte!

Dr. Helmut Christian Mayer

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