Wien: Die Tschechische Philharmonie unter Semyon Bychkov mit Dvorak pur

Xl_bychkov-hadelich-wien-3-24 © Helmut Christian Mayer

Sein Ausdruck ist betörend, seine Tonreinheit glasklar und seine Technik schlichtweg phänomenal: Unwillkürlich gerät man ins Schwärmen, wenn man Augustin Hadelich beim Musizieren zuhört. Der 39-jährige deutsch-amerikanische Geiger vermochte im Wiener Konzerthaus vom ersten Ton an das Publikum in seinen Bann zu ziehen und nicht mehr loszulassen. Beim einzigen Violinkonzert von Antonin Dvorák mit seinen extremen technischen Schwierigkeiten entlockte der Violonist, der nicht umsonst zur geigerischen Weltspitze gezählt wird, mit scheinbar grenzenloser Leichtigkeit und Sicherheit auf seinem edlen Instrument einer Guarnieri del Gesú aus 1744, feinste, mannigfaltige Abstufungen und traf dabei auch immer das sehnsuchtsvolle, slawische Kolorit des Werkes. Er wurde bejubelt!

Beeindruckte die Tschechische Philharmonie unter ihrem Chefdirigenten Semyon Bychkov dabei und in der zuvor selten aufgeführten Konzertouvertüre &bdquo Pi;In der Natur“ mit dunklen Farben, schwermütigen Klängen und spritzigen Volkstänzen, konnte das böhmische Paradeorchester bei seiner „Achten“ Symphonie noch mehr Register ihres Könnens ziehen: Diese erlebte man unter dem souveränen, auf reiche Kontraste bedachten, gebürtigen russischen Dirigenten in einer fulminanten Wiedergabe. Mit exzellenten Solisten in allen Instrumentengruppen wurde mit deutlicher Zeichengebung der lyrisch-heiteren Grundstimmung dieser intimsten und originellsten, ja „modernsten“ Symphonie von Dvorák voll gerecht. Im präzisen Klangkörper hörte man viele Farben, Nuancen, zugespitzte Akzente bis zum schmetternden Finale. Für den ausbrechenden Jubel gab es noch den zündenden „Slawischen Tanz“, natürlich von Dvorák, als Zugabe!

Das einzige Klavierkonzert von Antonín Dvorák aus 1876 führt seit jeher ein erstaunliches Schattendasein im Konzertleben. Nur die wenigsten der legendären Pianisten des vergangenen Jahrhunderts haben sich diesem Werk, dessen musikalische Qualitäten einmalig und offenkundig sind und den Komponisten bereits in voller stilistischer Reife zeigen, angenommen. Beim völlig uneitel, anfänglich etwas zurückhaltend musizierenden András Schiff, der schon lange Zeit zur pianistischen Oberliga zählt, waren tags darauf neben enormen Feinheiten und Ausdruckstiefen auch eine phänomenale Technik mit sicheren Griffen und Läufen zu erleben. Dabei wurde er von der Tschechischen Philharmonie unter ihrem Semyon Bychkov ideal begleitet.

Nach der anfänglich gespielten „Karneval Ouvertüre“ ebenfalls von Antonín Dvorák folgte dann seine beliebte 9. Symphonie: Über zart gedämpften Streicherharmonien erklang im Englischhorn sehnsuchtsvoll die unvergleichlich schöne und melancholische Weise. Sie ertönte wie aus einer „Neuen Welt“ und ist so eingängig und so bekannt geworden, dass sich die Schlagerindustrie ihrer ungeniert bemächtigt hat. Aber nicht nur beim Largo, das vom Komponisten auch als „Legende“ bezeichnet wurde, zeigten die Musiker ihr hochstehendes, qualitätsvolles Musizieren. Auch bei den vielen dynamischen Ausbrüchen gab es immer wieder tolle Paukenschläge: Bis hin zur abschließenden Apotheose des Finalsatzes mit seinem markanten Thema mit den schmetternden Trompeten und Hörnern wurde musikantisch, vital, spannungsgeladen, mit opernhafter Dramatik und der Weite des Gefühls musiziert. Ein mitreißendes Finale des zweitägigen Gastspiels des tschechischen Orchesters, die ihren Dvorák können!

Großer Jubel!

Dr. Helmut Christian Mayer

| Drucken

Mehr

Kommentare

Loading